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Es werden Posts vom April, 2018 angezeigt.

A BEAUTIFUL DAY

- Poesie der Grausamkeit - A BEAUTIFUL DAY ★★★★★★ USA 2017
Genre: Drama Länge: rund 90 Minuten Regie: Lynne Ramsay
Darsteller: Joaquin Phoenix u.a. Kamera: Thomas Townend
Musik: Jonny Greenwood
Ein vom Leben gezeichneter wie abgewrackter Auftragskiller soll ein Mädchen aus der Zwangsprostitution befreien und gerät dabei in einen Strudel aus Gewaltexzessen.
Die Form steht bei diesem Ausnahmefilm im Vordergrund: neben der brillanten Darstellung Phoenix' hat man selten ein so autarkes, souveränes und hochverstörendes Zusammenspiel aus Kameraarbeit, Schnitt (!) und Vertonung erlebt. Es gibt kaum Dialoge, und die braucht es auch nicht: in der Welt geschundener Seelen bleibt nur, und reicht den Beteiligten auch nur - die Tat.
Faszinierend ist, dass die Hauptfigur nicht einfach als Monster dargestellt wird, sondern vielmehr als Leidender, als traumatisierter und empathiefähiger Mensch, ständig am Abgrund der Selbstzerstörung befindlich.
i-Tüpfelchen der Arbeit ist für mich die Musik von J…

A QUIET PLACE

- Spannung pur - A QUIET PLACE ★★★★★★

USA 2018
Genre: Horror Länge: 90 Minuten Regie: John Krasinski
Darsteller: Emily Blunt, John Krasinski u.a.
Musik: Marco Beltrami

In einer postapokalyptischen Welt scheint es nur wenige Überlebende zu geben, die sich vor der monströsen Bedrohung in nächster Nähe nur durch die Vermeidung jedweden Geräusches schützen können. Im Fokus des Films: eine Familie.
Das kommt zunächst überschaubar und fast schon beschaulich daher: alles geschieht leise, bedrückend zwar, aber die Bedrohung ist nur zu ahnen. Aber der Spannungsbogen wird in souveräner Ruhe genommen und führt bald in Momente, die an nervenzerfetzender Spannung dem 1. Alien-Film von Ridley Scott auf Augenhöhe begegnen dürfen. Das Besondere an diesem Horrorfilm ist die Grundidee, die wirklich zu überraschen vermag und die besagte Spannung erst ermöglicht.

Getragen wird das Ganze von glaubwürdigem Schauspiel (Emily Blunt wurde hier extrem gefordert) und gekonnt geschriebener Angstmusik. Diese aller…

LADY BIRD

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- Vom Leben - LADY BIRD ★★★★★★
USA 2017 Genre: Coming-of-Age Film Länge: gut 90 Minuten Regie/Buch: Greta Gerwig
Darsteller: Saoirse Ronan, Laurie Metcalf, Tracy Letts, Lucas Hedges, Timothée Chalamet, Beanie Feldstein, Lois Smith, Stephen McKinley 

Christine McPherson ist Teenagerin, lebt mit ihrer Mutter in einem kalifornischen Kaff und hat die Schnauze voll davon, allen immer beibringen zu müssen, dass man sie gefälligst Lady Bird zu nennen habe. Während sie darauf wartet, endlich diesen Ort zu verlassen zu können, um Richtung Ostküste zu fliehen, wo das intellektuelle Leben auf sie wartet, passiert vor Ort das zu Erwartende in Form von Freund- und Liebschaften und vielen Auseinandersetzungen.
Als ich das erste Mal Quittenmousse gegessen habe, dachte ich zunächst: das schmeckt ja nach nichts! Erst bei den letzten Löffeln bemerkte ich, wie köstlich diese Süßspeise war.
Ähnlich ist es auch mit diesem Film. Von der Geschichte um eine Heranwachsende in einer amerikanischen Stadt, von de…

TRANSIT (2018)

- Irrlichter - TRANSIT ★★★☆☆☆

D/F 2017, rund 100 Min.
Genre: Buchverfilmung / Drama (gleichnamige Vorlage von Anna Seghers) Regie: Christian Petzold Darsteller: Franz Rogowski,  Paula Beer, Maryam Zaree u.a.

Womöglich bin ich nicht für diesem Film gemacht, und, vor allem, der Film nicht für mich. So sehr ich mir Mühe gebe, den politisch-intellektuellen Anspruch von "Transit" wertzuschätzen, so sehr stolpere ich doch über die Machart des Films. Die Themen Flucht, Heimat- und Identitätslosigkeit, private Begierden und Opportunismus in einer Verquickung aus Motiven des 2. Weltkriegs und dem Heute darzustellen ist natürlich ein großes, fast mutiges Unterfangen und verdient Respek, da es Sinn macht. Dennoch habe ich mich im Kinosessel ein wenig gequält; allzu unorganisch wirkt das alles auf mich, leicht steif gespielt und nicht im Fluss (des Lebens), die Formen missfallen mir, wenn zum Beispiel das, was ich gerade sehe, zusätzlich vom Erzähler aus dem Off gesagt wird: wozu? Das Ve…

3 TAGE IN QUIBERON

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- Ausgebeutet - 3 TAGE IN QUIBERON ★★★★★★
D/AU/F 2018
Genre: Biopic / Arthaus / Drama Länge: an die 2 Stunden, schwarz-weiß Buch und Regie: Emily Atef
Darsteller: Marie Bäumer, Birgit Minichmayr, Charly Hübner, Robert Gwisdek u.a.
Kamera: Thomas Kiennast
Schnitt: Hansjörg Weißbrich
Musik: Christoph Kaiser, Julian Maas
Alle, die Romy Schneider verehren oder verehrt haben, müssen diesen Film sehen, keine Frage. Es ist Gott sei Dank kein Epos sondern eine Miniatur, drei Tage, wie der Titel schon sagt, werden gezeigt aus dem späten, verzweifelten Leben der Schauspielerin, die so viele als Sissy-Kitschfigur behalten wollten, und die nicht nur daran kaputt ging. Einen Entzug versucht sie, in einem Hotel am Strand von Quiberon, während ihr die beste Freundin aus Kindertagen beisteht - und sie will ein Interview geben, ausgerechnet jetzt, und sie ist mit Wahrheiten nicht zimperlich.
Der Film definiert sich nicht über die Schauwerte Sex oder Humor, schon gar nicht über nostalgische Verklärung…