3 TAGE IN QUIBERON

- Ausgebeutet -
3 TAGE IN QUIBERON ★★★★★★
D/AU/F 2018 
 
Genre: Biopic / Arthaus / Drama
Länge: an die 2 Stunden, schwarz-weiß
Buch und Regie: Emily Atef
Darsteller: Marie Bäumer, Birgit Minichmayr, Charly Hübner, Robert Gwisdek u.a.
Kamera: Thomas Kiennast
Schnitt: Hansjörg Weißbrich
Musik: Christoph Kaiser, Julian Maas

Romy Schneider ist zweiundvierzig Jahre alt und an der Grenze ihrer Belastbarkeit angekommen, als sie in einer Kurklinik im französischen Quiberon den Versuch unternimmt, zur Ruhe zu kommen und sich von ihrer Alkohol- und Tablettenabhängigkeit zu lösen. Ihre gute Freundin Hilde besucht sie und leistet ihr Beistand, stärkt ihr den Rücken. Ausgerechnet in dieser Situation nimmt die Schaupielerin ein Interview mit dem Stern an, es kommen zwei Herren, ausgestattet mit Fotoapparat und Tonband, und sie werden nicht zimperlich mit der Geschwächten umgehen. Drei Tage werden die vier zusammen verbringen - drei Tage, die es in sich haben und ein Dokument für alle Zeit hervorbringen sollen.

Alle, die Romy Schneider verehren oder verehrt haben, müssen diesen Film sehen, keine Frage.
Es ist Gott sei Dank kein Epos sondern eine Miniatur, drei Tage, wie der Titel schon sagt, werden gezeigt aus dem späten, verzweifelten Leben der Schauspielerin, die so viele als Sissy-Kitschfigur behalten wollten, und die nicht nur daran kaputt ging.
Einen Entzug versucht sie, in einem Hotel am Strand von Quiberon, während ihr die beste Freundin aus Kindertagen beisteht - und sie will ein Interview geben, ausgerechnet jetzt, und sie ist mit Wahrheiten nicht zimperlich.
Der Film definiert sich nicht über die Schauwerte Sex oder Humor, schon gar nicht über nostalgische Verklärung... Er ist eine so stille wie eindrückliche Studie über eine, die viel zu früh in die Falle des Ruhms getappt ist, die sich zwischen zu vielen Fronten verlor und dabei alle Kraft gelassen hat. Glamourös, ja anbetungswürdig gespielt von der Bäumer, umringt von kongenialen Schauspielern (sensationell: Birgit Minichmayer). Dabei gibt es praktisch keine Geschichte, keine Entwicklung; wir erleben gewissermaßen einen Augenblick, so unter die Lupe genommen, dass es zwangsläufig weh tut.
Darüberhinaus ist "3 Tage in Quiberon" exzellent fotografiert, sensibel vertont (Geräusche stehen hier nicht selten an Stelle der Musik), und mit einem guten Sinn für Rhythmus und Tempo gebaut.
Für mich ein Ausnahmewerk und ein sehr seltener Glücksfall fürs Kino.

cnm

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