ANDOR HIRSCH
ANDOR HIRSCH ★★★★½☆
Originaltitel: Árva (Orphan) | Start: 14.05.2026 | FSK 12
HU, FR, DE, GB 2025
Genre: Drama, nach wahrer GeschichteLänge: 132 Min.
Buch: László Nemes, Clara Royer
Idee: András Jeles
Casting: Éva Zabezsinszkij
Cast: Bojtorján Barabas, Andrea Wascovics, Grégory Gadebois, Andrea Waskovics, Elíz Szabó, Soma Sándor, Hermina Fátyol, Konrád Quintus, Géza Perlmann, Martin Czarnik, Tibor Martin Loppert, Gábor Iványi, Kata Milla Kovács, Sándor Zsótér u.a.
Kostümbild: Andrea Flesch
Kostümbild: Andrea Flesch
Szenenbild: Márton Ágh
VFX Supervisor: Glen McGuigan
Kamera: Mátyás Erdély
Schnitt: Péter Politzer HSE
Musik: Evgueni & Sacha Galperine
VFX Supervisor: Glen McGuigan
Kamera: Mátyás Erdély
Schnitt: Péter Politzer HSE
Musik: Evgueni & Sacha Galperine
Budapest 1957. Jahre nach Kriegsende und einem gescheiterten Aufstand gegen das kommunistische Regime ist das Leben für den vaterlosen 12jährige Andor Hirsch kein Leichtes. Zwar darf er endlich aus dem Kinderheim zur Mutter zurückkehren, doch als Juden werden für für die beiden nach wie vor antisemitische Ressentiments zur täglichen Bürde – der Vater, so heißt es, ließ im Krieg sein Leben, die Mutter hält mit ihrer Anstellung im Lebensmittelladen sich und den Jungen gerade so über Wasser. Es ist die bittere Zeit, in der Kinder zu früh erwachsen werden müssen. Die Abwesenheit der Vaterfigur ist für Andor prägend: täglich spricht er im Keller gebetsähnlich einen Moment lang mit dem Verstorbenen, erzählt ihm von seinem Tag und seinen Sorgen. Eine Rückkehr des Totgesagten bleibt sein innigster Wunsch.
Ein noch härterer Schlag für den Jungen bedeutet es dann auch, als ein grobschlächtiger Koloss von Mann auftaucht und ihm unverblümt steckt, er sei sein wirklicher Vater. Die Mutter lässt nun Andor wissen, dieser Mann habe sie während des Krieges versteckt, und sie müssten ihm also beide zu Dank verpflichtet sein. Unübersehbar besteht zwischen ihnen immer noch eine Verbindung! Die schwierige Herausforderung für den Jungen besteht nun darin, sich selbst in diesem Chaos aus existenziellen Notwendigkeiten, Posttraumata und dem eigenen Bedürfnis nach Identität und Zugehörigkeit zurechtzufinden und bestmögliche Entscheidungen zu treffen. Eine Zerreißprobe!
Regisseur László Nemes erzählt mit Andor Hirsch die Geschichte seines eigenen Vaters und porträtiert damit das familiäre wie das gesellschaftliche Trauma des Krieges (er nennt es "Gespenst") zugleich.
Das Ergebnis des analog gedrehten und aufwändig gecasteten Films ist beeindruckend, zieht es einen doch mit Wucht in jene Zeit: der gesamte Look des Films gleicht in Körnung, Bildästhetik (!) Kostüm und detailreicher Ausstattung schon beinahe Archivaufnahmen und vermittelt den Eindruck, tatsächlich diese bittere, heimtückische, weil brutale Zeit mitzuerleben. Der Junge, der den gesamten Film über zentrale Figur ist, dient dabei als eine Art Projektionsfläche und Identifikationsfigur in einem. Eine letzte Sequenz bringt das Dilemma des Jungen messerscharf auf den Punkt und wird lange in Erinnerung bleiben.
Andor Hirsch, Antikriegsfilm und Generationenporträt besonderer Güte, lohnt sich auf der großen Leinwand gesehen zu werden, ist Kino mit Tiefgang, Seele und nicht allein historischem Mehrwert.
cnm

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