BE NATURAL - SEI DU SELBST: DIE FILMPIONIERIN ALICE GUY-BLACHE

BE NATURAL - SEI DU SELBST:
DIE FILMPIONIERIN ALICE GUY-BLACHÉ ★
Originaltitel: Be Natural: The Untold Story of Alice Guy-Blaché | Kinostart: 05.08.2021 | FSK 0
ⓒ Filmperlen


USA 2019
Genre: Dokumentation, Biografie
Länge: rund 100 Min.
Regie: Pamela B. Green
Buch: Pamela B. Green, Joan Simon
Erzählerin: Jodie Foster / deutsche Stimme: Hansi Jochmann
InterviewpartnerInnen u.a.: John Bailey, Peter Bogdanovich, Lake Bell, Ava Duvernay, Anne Fontaine, Michel Hazanavicius, Patty Jenkins, Ben Kingsley, Walter Murch, Andy Samberg, Marjane Satrapi, Julie Taymor, Agnès Varda, Evan Rachel Wood
Kamera: Boubkar Benezabat
Schnitt: Pamela B. Green
Musik: Peter G. Adams

Als Alice Guy 1896 in Paris mit 23 Jahren ihr Filmdebüt fertigstellte, war sie nicht nur die erste Filmemacherin, sondern einer der ersten Regisseure überhaupt, die jemals einen Erzählfilm drehten. Gerade mal ein Jahr zuvor waren die ersten Bewegtbilder als neueste Attraktion vorgeführt worden - jedoch ohne Narrativ. BE NATURAL - SEI DU SELBST enthüllt die wahre Geschichte einer der Filmpionierinnen in der Geschichte des Films und hebt ihre wegweisenden Beiträge als Kreative und Produzentin zur Geburt des Kinos und in den frühen Jahren des Filmemachens hervor. Die Doku erzählt von Guy-Blachés beruflichen Aufstieg: von der Gaumont-Sekretärin bis zur Produktionsleiterin sowie ihrer anschließenden bewegten Karriere in Frankreich und den USA, die über 20 Jahre lief. In Amerika gründete sie mit "Solax" ihr eigenes Studio. Obwohl sie Autorin, Regisseurin und / oder Produzentin von über 1000 Filmen war, wurde sie, da eine Frau, nachträglich und nachweislich aus der Filmgeschichte gestrichen und erst spät wiederentdeckt. (modifizierte Presse-info)

Schon der Beginn der Doku zeigt die ernüchternde Tatsache: sämtliche (und es sind nicht eben wenige) O-Ton-GeberInnen haben keine Ahnung, wer wohl Alice Guy-Blaché sein könnte. Und wir wissen es natürlich auch nicht. Mit enormem Aufwand und größter Akribie, reiseaufwändiger Recherche, dem Restaurieren (man muss schon sagen: Entmummifizieren) von steinaltem Bild- und Tonmaterial hat die Dokumentaristin der Filmschaffenden ein Denkmal gesetzt, die als Erste die Faszination des epischen Kinos erkannt und umgesetzt hat. Und nicht nur das: ihr Credo, der Titel der Doku verrät es, war schon zu jener Zeit, die Damen und Herren vor der Kamera mögen bitte nicht herumkünsteln, sondern sich möglichst natürlich geben (die größte Herausforderung beim Schauspiel überhaupt, wie viele der InterviewpartnerInnen wissen).

Formal gibt es Lob und Kritik: einerseits sind die computeranimierten Flüge über die Filmwelt und die Städte sowie andere animierte bewegt-Illustrationen von Dokumenten, Stammbäumen oder Produktionsstätten jener Zeit sehr sehenswert und machen die Doku visuell reich und unterhaltsam.
Andererseits habe ich den Schnitt als eine Zumutung empfunden. Die Regisseurin zeichnet auch hierfür verantwortlich, und ihre gewählte Schnittfrequenz liegt nicht selten bei gefühlt einer Sekunde pro Einstellung. - Natürlich, es gibt viel zu bebildern, die Fundgrube war offensichtlich erschlagend. Doch als BetrachterIn möchte man doch ein bisschen was mitbekommen, das Auge will schonmal verweilen. Hier ist das kaum möglich. - Ich könnte mir sehr kreative Lösungen für weitere Versionen dieses wichtigen Zeitdokuments vorstellen, beispielsweise einen Mehrteiler für Interessierte, der mit mehr Ruhe vorgehen und in den man richtig eintauchen kann.

Als Gesamteindruck bleibt die traurige Beobachtung, dass mal wieder Männer das übernommen und sich auf die Fahne geschrieben haben, was eine Frau lebendig werden ließ. Keine Überraschung eigentlich.

Sehr gute und spannende Doku, aufwändig umgesetzt und leider allzu hektisch geschnitten.
Dennoch: Empfehlung!

cnm

Porträt Alice Guy-Blaché, copyright Filmperlen, courtesy of Be Natural Productions

 
 
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