Grazie!
Grazie!
Viele Tränen sind nicht mehr übrig, darum bin ich immer froh, wenn ich im Kino mal weinen kann.
Als ich noch sehr jung war und dabei, die Filmmusik für mich zu entdecken, stapelweise CDs zu kaufen und diese hochemotionale Musik in mich aufzusaugen wie andere Mahler oder Beethoven, die Stones oder Chet Baker, sie rauf und runter zu hören, bis jede Note ins Hirn gebrannt war... brachte mir ein Bekannter aus den USA den Soundtrack zu Cinema Paradiso mit. Ich wartete ungeduldig auf diese Aufnahme, hatte ich doch ein unbestimmtes Gefühl, dass sie mich - wohl des Titels wegen - erreichen würde.
Und tatsächlich: die Einfachheit des Themas, das Repetitive, die Romantik darin, das
Sperrige zugleich, eine unerklärlich wehmütige Harmoniefolge, das Ehrliche und das Melancholische, die Klarheit in der Instrumentierung... nahmen mich so gefangen, dass ich nicht meher davon loskam und das Thema seitdem in mir trage wie einen Schatz. Hören Sie sich in aller Ruhe diesen Soundtrack an als ein Beispiel für das singuläre Werk von Ennio Morricone, der heute am 6.7.2020 mit 91 Jahren verstarb. Seine Musik zu hören ist, als würde man die Liebe, die er für seine Arbeit empfunden haben muss, direkt und ohne Filter selbst erleben: es zerreißt einem das Herz, nimmt einen ohne Wenn und Aber gefangen.
Morricone hat mehr mit unserem Gemüt im Kinosessel veranstaltet, als den meisten bewusst ist, er war ein Magier, und ein stiller Künstler. Zu Unrecht hat Hollywood ihm viel zu wenig Ehre zuteil werden lassen. Das allerdings ändert nichts an der musikalischen Filmgeschichte, die er geschrieben hat, und die es wohl niemals so wieder geben wird.
Die Tränen heute... weine ich nicht gern.
Danke Ihnen, Herr Morricone!

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