ALLEGRO PASTELL

ALLEGRO PASTELL ★★☆☆☆☆
Start: 16.04.2026 | FSK 12
Sylvaine Faligant, Jannis Niewöhner | © Walker + Worm Film / Felix Pflieger



Deutschland 2026
Spielfilm, Romanze, Trauerspiel
Länge: 100 Min.
Regie: Anna Roller
Buch: Leif Randt
Nach: Leif Randt (Bestseller)
Casting: Suse Marquardt
Cast: Sylvaine Faligant, Jannis Niewöhner, Haley Louise Jones, Luna Wedler, Vera Flück, Martina Gedeck, Wolfram Koch, Nico Ehrenteit, Jakob Schreier, Kate Strong, Fabian Baumgarten, Kelvin Kilonzo, Golda Walker, Juno Meinecke u.a.
Kamera: Felix Pflieger
Ton: Antoine Schweitzer
Kostüm: Belle Santos
Schnitt: Andreas Wodraschke BFS
Musik: Max Rieger

Tanja und Jerome führen eine Fernbeziehung im Jahr 2018, kurz bevor die Corona-Pandemie unser Lebensgefühl und Denken stark verrücken soll. Sie – freie Autorin – lebt in Berlin, er – Webdesigner von Beruf – ist in einem beschaulichen Ort im Maintal untergekommen, wo er Dank seiner Eltern kostengünstig wohnen kann. Die Distanz tut ihnen gut, sie hält das gegenseitige Interesse frisch. Doch mit den Jahren verrückt sich da etwas, vor allem in ihr; sie fragt sich zunehmend, ob sie die Sicherheit, die diese zeitweise Zweisamkeit verspricht, wirklich das ist, was sie sich für ihr Leben wünscht. Quasi als Rückkopplung ist auch er verunsichert und zweifelt am Beziehungskonzept. Beidseitige Versuche, mit sexuellen Ausflügen gegen dunkle Vorahnungen anzugehen, sind nicht wirklich zielführend.

Der Bestseller von Leif Randt gibt das Lebensgefühl der Generation kurz vor unserer heutigen Wirklichkeit wieder: die Selbstbezogenheit und innere Leere seiner Figuren ist in dieser Konsequenz kaum zu ertragen... im Film wird es weit schlimmer. Die beiden Hauptfiguren sind ausgesprochen attraktiv besetzt, und das ist – bedaure – dann auch schon alles! Sie haben einander rein gar nichts zu sagen, auch Gespräche mit FreundInnen und Bekannten sind hohle Nabelschau bei vergleichsweise großem Desinteresse (entlarvend deutlich Jeromes Gespräch mit einem alten Bekannten während einer Hochzeitsfeier. Jerome: "Und was läuft. bei dir?" – Der Bekannte antwortet, der Ton wird weggeblendet).
Übersetzt: leere Figuren faseln leeres Zeugs. – Ein ständiges Stimmungsbarometer zwischen den beiden steht auf Orange: sie ist zumeist extrem gereizt, ohne dass sich der Grund plausibel erklären ließe. Entsprechend läuft er wie auf Eiern, macht sich seine Gedanken und findet bald eine weitere Gespielin.
Hier wird nichts geplant, kein möglicher Plan (etwa eine gemeinsame Reise) umgesetzt, tatsächlich passiert im ganzen Film so gut wie nichts, außer, dass gelegentlich zwei Menschen intim miteinander werden und das für einen Moment ihre Verzweiflung ausblendet (ich muss an die ersten Romane der brillanten Sibylle Berg denken).

Ein Gipfel der geschliffenen Dialoge: beide betrachten zum Jahreswechsel ein Feuerwerk. Sie: "schön". Er: "voll". Was ihre Leben angeht, wollen und werden sie sich nicht festlegen, es sei denn, es kommt das Leben dazwischen und entscheidet für sie. Traurig nur, dass der Film dies nicht entlarvt, sondern uns mit bedeutungsvollem Impetus als schwergewichtig zu verkaufen sucht.

Auf der technischen Seite habe ich mich gefragt, was eigentlich auf deutschen Schauspielschulen abgeht. Die junge Generation nuschelt hier derart unsauber, dass ich mich tatsächlich über deutsche Untertitel gewünscht hätte. (Auftritte wie die von Martina Gedeck zeigen, dass es auch anders geht). Schlecht eingefangener und gemischter Ton sowie ein Kostüm, das an Niewöhner vollkommen falsch aussieht wirken auf mich zusätzlich irritierend.

Sollte dieses Trauerspiel tatsächlich die Befindlichkeit und Stimmungslage einer Generation (Y?) wiedergeben, erfüllt mich das nur mit Grauen und Ratlosigkeit.

cnm
 

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