ZWEI STAATSANWÄLTE
ZWEI STAATSANWÄLTE ★★★★★☆
Originaltitel: Deux Procureurs | Start: 18.12.2025 | FSK 12
Frankreich, Deutschland, Niederlande, Lettland, Rumänien, Litauen 2025
Genre: DramaLänge: 118 Min.
Format 1:1,33
Regie: Sergei Loznitsa
Buch: Sergei Loznitsa
Nach: Georgy Demidov
Casting: Maria Choustova
Buch: Sergei Loznitsa
Nach: Georgy Demidov
Casting: Maria Choustova
Cast: Aleksandr Kuznetsov, Alexander Filippenko, Anatoli Beliy, Andris Keišs, Vytautas Kaniušonis
Kamera: Oleg Mutu
Schnitt: Denielius Kokanauskis
Musik: Christiaan Verbeek
Kamera: Oleg Mutu
Schnitt: Denielius Kokanauskis
Musik: Christiaan Verbeek
Sowjetunion, 1937 - Tausende von Briefen von Häftlingen, die vom Regime zu Unrecht beschuldigt wurden, werden in einer Gefängniszelle verbrannt. Einer erreicht trotz aller Widrigkeiten seinen Bestimmungsort, den Schreibtisch des neu ernannten örtlichen Staatsanwalts Alexander Kornjew.
Der setzt alles daran, den Gefangenen, ein Opfer von Agenten der Geheimpolizei NKWD, zu treffen. Tatsächlich gelingt dieses Treffen, auch wenn ihn der leitende Befehlshaber unübersehbar von dem Treffen abhalten will. Endlich in der Zelle, erfährt er vom Insassen (den er wiedererkennt als einen hoch angesehenen Professor aus seiner Studienzeit) von ungerechtfertigten Festnahmen und brutaler Folter. Der junge Staatsanwalt, ein engagierter, integrer Bolschewik, folgt nun dem Wunsch des Inhaftierten. Er reist nach Moskau und sucht das Büro des Generalstaatsanwalts in Moskau auf, um diesen – wieder gegen alle Wahrscheinlichkeit – zu treffen. Im Zeitalter der großen stalinistischen Säuberungen ist dies der Sturz eines Mannes in die Korridore eines totalitären Regimes, welches kein Erbarmen kennt.
Sergei Loznitsa schafft in wenigen langen und langsam erzählten Tableaus ein eindrückliches Bild vom Kampf eines aufrichtigen Mannes gegen ein brutales, totalitäres Regime, bei dem oberflächlich Recht und Ordnung herrscht, unter der Oberfläche jedoch Willkür und Grausamkeit: ein System, das sich auf gespenstische Weise eines jeden bedient, sei er nun linientreu und konform oder einer, der aufbegehrt gegen alles Unrecht. Idealismus ist in diesem Umfeld das teuerste Gut!
Formal gelingt der Film lupenrein: farbentsättigte, trostlose Kulissen in symmetrischen Bildern im beengten beinahe-Quadratformat, sehr lange Einstellungen, die das Warten des ermittelnden Anwalts fühlbar machen, makellose Lichtsetzung und durchdringendes, nie theatralisches Schauspiel ergeben einen Film, dessen Botschaft und Atmosphäre bis ins Innerste vordringen und lange im Gedächtnis bleiben, wie als Mahnmal, dass kein Totalitäres System jemals irgendwas tauge, keinem je zu vertrauen sei.
Gleichwohl ist der Film nur schwer verdaulich, will heißen: keine leichte Unterhaltung, sondern schwere Kost, für die man ausgeschlafen und bereit sein sollte. Meines Ermessens eine annähernd literarische, exzellente Arbeit. – Sicher auszugsweise gut einsetzbar im Schulunterricht. – Empfehlung!
cnm
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