LEBENSANSICHTEN EINES HUHNS

LEBENSANSICHTEN EINES HUHNS ★★★☆☆
Originaltitel: HEN | Start: 06.08.2026 | FSK 12
Wird es überleben? | © Neue Visionen



Deutschland, Griechenland, Ungarn 2025
Genre: Dramödie
Länge: 96 Min.
Regie: Palfi Gyorgy
Buch: Palfi Gyorgy, Ruttkay Zsofia
Casting: Kleopatra Ampatzoglou, Akis Gourzoulidis u.a.
Cast: Ioannis Kokiasmenos, Maria Diakopanagioti, Argyris Pantazaras, Eleni Apostolopoulou, Mahmod Bamerny, Antonis Tsiotsiopoulos, Antonis Kafetzopoulos – und das Huhn: Eszti, Szandi, Feri, Enci, Eti, Enikö, Nóra und Anett
Kamera: Giorgos Karvelas
Schnitt: Lehmhenri Reka
Musik: Szöke Szabolcs

Tatsächlich verfolgen wir in dieser etwas märchenhaften Geschichte die Laufbahn (im Sinne des Wortes) eines Huhns, das in seiner Legefarm quasi das schwarze Schaf ist: nämlich schwarz gefedert unter lauter weißer Verwandtschaft. Und dem Tier scheint einen ausgeprägten Willen für das Leben und die Freiheit inne zu wohnen – denn es gelingt ihm tatsächlich auf listige Weise, dem Fließband und der Farm zu entkommen!
Doch damit sind die Gefahren an Leib und Leben selbstverständlich noch lange nicht gebannt! Ein Mann der die Hauptdarstellerin mitnahm, will sie daheim zu Suppe machen, da heißt es: Flucht ergreifen! Kurz darauf ist ein hungriger Fuchs in Sicht, auch der muss abgehängt werden – da kommt die Schnellstraße gerade richtig. Letztlich scheint das schöne Tier sicher in einem beschaulichen Betrieb mit Hühnerstall untergekommen zu sein, dies scheint aber auch nur so, denn die vermeintlich friedlichen Menschen hier gehen kriminellen Machenschaften nach. Tier hat auch wirklich nirgends seine Ruhe!

Die Synopsis macht es bereits deutlich: Filme wie diesen gibt es ausgesprochen selten. Hier steht das Tier im Vordergrund, und zwar ein reales, kein animiertes ("gespielt" von einer ganzen Reihe schwarzer Hühner – siehe Cast), auch der Fuchs ist lebendig und echt. Es muss eine Mords-Geduld erfordert haben, bis alle Szenen im Kasten waren und die Vermenschlichung der Tiere im Schnitt Gestalt annehmen konnte. – Selten bekommen wir derart witzige, originelle und auch spannende Stories zu sehen, die nicht auf Dialog basieren! (Ich denke da an Spielbergs ersten Film Duel von 1973, in dem das gesprochene Wort überhaupt keine Rolle spielt). Wir haben es also mit einem Inszenierungs-Coup zu tun!

Leider wird dies schöne Konstrukt zusehends demontiert, kommen doch im letzten Filmdrittel die Menschen zu Wort, bekommen Großaufnahmen, fügen den eigenen Krimi hinzu, als wollten sie dem Federvieh die Show stehlen. Die gleiche Geschichte, erzählt ohne menschliche Antlitze und sich in Andeutungen ergehend, wäre für meinen Geschmack an dieser Stelle zwingend gewesen. Schade!

Nichtsdestotrotz ist das Abenteuer eines Ausreißer-Huhns ein seltenes Vergnügen, geeignet für jedes Alter  (laut FSK ab 12), handwerklich liebevoll gedeichselt und inhaltlich eine gewiefte Reflexion den Menschen im Tier und das Tier im Menschen. Bestes Entspannungs-Kino, das uns den Sommer versüßt!

cnm 

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