IM SPIEGEL MEINER MUTTER

IM SPIEGEL MEINER MUTTER ★★★★½☆
Start: 13.08.2026 | FSK 12
Hildegard Schmahl, Corinna Harfouch | © COIN FILM / Daniela Knapp


Deutschland 2026
Genre: Spielfilm, Drama
Länge: 95 Min.
Format: 1,66:1
Regie: Jutta Brückner
Buch: Jutta Brückner
Casting: Sabine Schwedhelm, Beate Kurecki
Cast: Corinna Harfouch, Hildegard Schmahl, Carla Juri, Nina Kunzendorf, Samuel Finzi, Sebastian Schwarz, Rosa Enskat, Hannah Ehrlichmann, Franz Hartwig, Svenja Wasser, Annika Benzin u.a.
Kamera: Daniela Knapp
Schnitt: Andreas Wodraschke, Simone Bräuer
Musik: Maciej Sledziecki

Die erfolgreiche Archäologin und Universitätsprofessorin Ursula Scheuner macht bei Ausgrabungen im Moor einen sensationellen Leichenfund, der ihr finanziell angeschlagenes Institut retten könnte.
Vorerst hält sie den Fund geheim und betraut lediglich die neue Assistentin Mel mit deren Säuberung. Erschwerend hinzu kommen Sanierungsarbeiten im Gebäude, die das Unterrichten quasi unmöglich machen und – schlimmer noch – der kürzliche Tod von Ursulas Mutter, den sie zu verarbeiten hat. Beim Aufräumen des Elternhauses beginnen für die gestresste Frau die Grenzen zwischen Gegenwart und Vergangenheit zu verschwimmen. Gefangen in einem Labyrinth aus Trauer und alten Traumata muss Ursula für sich einen Weg finden, ihren eigenen Platz zu verorten. Doch als ihre Assistentin andeutet, sehr viel mehr über Ursulas Lebensgeschichte zu wissen, droht ein lange verborgenes Familiengeheimnis an die Oberfläche zu gelangen.

(Alb-)Traumhaft, verzerrt, irreal und stark assoziativ wirkt diese Inszenierung der Ausnahmeregisseurin Brückner, deren Oeuvre so klein wie (feministisch) gewichtig ist. Um Realismus kann es ihr nicht gegangen sein, wenn sie uns auftischt, dass eine derart gut erhaltene Moorleiche (noch dazu mit dem Antlitz Ursulas, wenn mich nicht alles täuscht) geheim gehalten bleiben kann, wenn die Leiche ohne jegliche Schutzkleidung, Handschuhe und Masken in einer Art Abstellraum im Kellergeschoss versorgt wird. Nein, hier geht es um Befindlichkeiten, die weit über die einzelnen Figuren hinaus gehen, es geht um Symbolik, womöglich um Aufarbeitung persönlicher Erlebniswelten der Regisseurin selbst.

So präsentiert sich denn auch der gesamte Film wie wankend zwischen Realität und Rückschau, Erinnerungen und Träumen (ein Traum ist tatsächlich die erste Szene), verstörend ambivalent darin vor allem die alte Mutter von Ursula, die in ihrer Demenz brutal besitzeinnehmend und hilflos zugleich ins eigene Spiegelbild lacht. Mir schien, hier sadistischen oder sarkastischen Humor zu erleben, und das keineswegs komödiantisch intendiert. So ist dann auch die Tochter Ursula wechselweise eine souveräne Erwachsene, um kurz darauf wie ein verlorenes Mädchen da zu stehen. – Im Spiegel meiner Mutter ist ein komplexes Psychogramm, das ich nicht wirklich durchdringen konnte. Aber:

Diese Überforderung hat mich absolut in den Bann gezogen. Ich konnte kaum alles deuten bzw. verstehen, doch ich konnte spüren, dass hier ganze Welten verhandelt werden und Generationen (von Frauen) gemeint bzw. betroffen sind. Liebe, Schmerz, Erziehung, Missverständnis, Frauenbilder die obsolet sind, drohen wiederzukommen... Das alles war mir eine Art faszinierender Irritation.

Im Spiegel meiner Mutter liegt jenseits jeden Mainstreams; wie großartig, dass es solche Filme noch gibt, die man sich erkämpfen muss, als liefe man durch dichtes Gestrüpp. Beinahe braucht es Mut, sich dem auszusetzen... Bei der nächsten sich bietenden  Gelegenheit werde ich das unbedingt wiederholen.

cnm 

Kommentare

Beliebte Posts der letzten 30 Tage

DER MANN, DER IMMER KLEINER WURDE – DIE UNGLAUBLICHE GESCHICHTE DES MR. C

LEBENSANSICHTEN EINES HUHNS

SORRY, BABY

INSEKTEN – HELDEN IM VERBORGENEN

ZWEI STAATSANWÄLTE

BUGONIA

TO MY SISTERS

LA SCALA - DIE MACHT DES SCHICKSALS

DER HELD VOM BAHNHOF FRIEDRICHSTRASSE

ETWAS GANZ BESONDERES