STAATSSCHUTZ

STAATSSCHUTZ ★★★★★
Start: 27.08.2026 | FSK 12
Chen Emilie Yan | © Lotta Kilian, Jünglinge Film





Deutschland 2026
Genre: Thriller, Drama
Länge: 113 Min.
Format: n.b.
Regie: Faraz Shariat
Buch: Claudia Schaefer
Casting: Andrea Rodríguez
Cast: Chen Emilie Yan, Julia Jentsch, Alev Irmak, Arnd Klawitter, Sebastian Urzendowsky, Kotbong Yang, Kathrin Angerer, Mercy Dorcas Otieno, Max Krause 
Kamera: Lotta Kilian
Schnitt: Frederike Hohmuth
Musik: Gabriel Ólafs

Als die frisch examinierte Staatsanwältin Seyo Kim ihre erste Stelle antritt, ahnt sie nicht, welchen maroden Strukturen sie schon bald die Stirn bieten muss. Nach einer Reihe von Verfahren, während derer sie sich alle Mühe gegeben hat, den objektiv besten Job zu machen, wird auf Sie ein rassistischer Brandanschlag verübt, den sie nur knapp überlebt. Mit ihrer Bitte um Aufklärung und Strafverfolgung stößt sie in den eigenen Reihen jedoch erstaunlicherweise auf taube Ohren: Oberstaatsanwalt Forch bagatellisiert die Tat und will ganz offensichtlich den Ball flach halten. Gegen die ausdrückliche Weisung und erbitterten Widerstand innerhalb der eigenen Behörde nimmt Seyo letztlich den Kampf nicht nur gegen ihren Aggressor, sondern auch gegen den anscheinend übermächtigen Justizapparat auf. In einem Klima des Misstrauens findet sie in Anwältin Alexandra Tiedemann und ihrer Freundin Ayten Alican, einer Mitarbeiterin der Staatsanwaltschaft, zwei Verbündete. Unter ständiger Bedrohung kämpft Seyo im Geheimen mit deren Hilfe für die Integrität des Rechts – mit allen Mitteln – und das nicht nur vor Gericht.

Von einigen wenigen Details abgesehen (ungünstig gepegelte Geräusche, ein paar Szenen, die durchhängen) hat dieser Film einen großen Vorteil: er trifft das große Problem unserer Zeit im Augenblick der Wahrheit ins Mark, und vor allem: er ist kontrovers! Dass der derzeitige überdeutliche Rechtsruck die Demokratie zu kippen droht, ist längst klar. Dass Politik, Justiz, Polizei und Medien bereits teilweise "infiltriert" sind, auch. Ebenso der Umstand, dass man sich demgegenüber machtlos fühlt. Nun hörte ich Kollegen kritisch sprechen: die Erzählung propagiere Selbstjustiz, man könne nicht die Mittel des Gegners, welche man kritisiere, selbst in Anspruch nehmen. Da bin ich anderer Meinung. Denn die Mittel derer sich Nazis bedienen werden, sind seit je unlauter gewesen: Gewalt, Willkür, Diffamierung, Zerstörung, Trennung der Gesellschaft in wertes und unwertes Leben. – Das alles hatten wir schon. Und damit erscheint der Filmtitel – je nach Lesart – zynisch (inwieweit schützt uns der Staat noch?) oder als Aufforderung (müssen wir den Staat schützen?).

Doch eine Filmkritik ist nicht an erster Stelle ein politischer Diskurs. Gefallen hat mir, wie die systematisch zermürbende Einschüchterung der Staatsanwältin fühlbar gemacht wird (preisverdächtig: Chen Emilie Yan). Wie die Paranoia und das Misstrauen sich auf einen selbst im Kinosessel überträgt. Die Frage: "wie hätte ich mich verhalten, wenn..." ist längst umgeschlagen in "wie werde ich mich jetzt und in naher Zukunft verhalten?". Und da finde ich den Mut und die Entschlossenheit der Seyo Kim in der Geschichte Beispiel gebend, seien ihre Mittel lauter oder nicht.

Es gibt Filme, die sind wichtig und gewichtig. Bilden Sie sich selbst ein Urteil, gehen Sie ins Kino und nehmen neben dem substantiellen Denkanstoß noch einen überdurchschnittlich guten Thriller mit. – Empfehlung ohne Zweifel!

cnm 

Kommentare

Beliebte Posts der letzten 30 Tage

LEBENSANSICHTEN EINES HUHNS

DER MANN, DER IMMER KLEINER WURDE – DIE UNGLAUBLICHE GESCHICHTE DES MR. C

DER REGENMEISTER

TO MY SISTERS

SORRY, BABY

ZWEI STAATSANWÄLTE

BUGONIA

ME TOO - WER WILL SCHON NORMAL SEIN?

INSEKTEN – HELDEN IM VERBORGENEN

TOY STORY 5