STECKERLFISCHFIASKO

STECKERLFISCHFIASKO ★★½☆☆☆
Start: 13.08.2026 | FSK 12
Simon Schwarz, Sebastian Bezzl, "Hinkelotta" | © Constantin Film



Deutschland 2026
Genre: Krimödie
Länge: 99 Min.
Format: 16 :9
Regie: Ed Herzog
Buch: Stefan Betz, Ed Herzog
Nach: Rita Falk (Roman)
Casting: Franziska Aigner
Cast: Sebastian Bezzel, Simon Schwarz, Lisa Maria Potthoff, Eisi Gulp, Enzi Fuchs, Gerhard Wittmann, Daniel Christensen, Stephan Zinner, Max Schmidt, Thomas Kügel, Ferdinand Hofer, Sigi Zimmerschied, Eli Wasserscheid, Castro Dokyi Affum, Michael Ostrowski, Pelle Küffner, Lara Mandoki, Ruby O. Fee, Niklas Marian Müller, Petra Berndt, Milan Peschel
Kamera: Sebastian Edschmid
Schnitt: Stefan Essl
Musik: Martin Probst

Wieder mal ist vieles im Umbruch in Niederkaltenkirchen: der Eberhofer Franz muss sich im steril eingerichteten Neubau zurechtfinden, seine Susi kandidiert als Bürgermeisterin und erwartet Unterstützung vom Gatten, der Sohn wartet mit einem neuen Hobby auf, das ein höheres Maß an Offenheit erfordert als es der Fußball täte, Oma Eberhofer geht in Kur und wird von einer Wildfremden namens Julika vertreten, und als auf dem nagelneuen Golfplatz der Steckerlfischkönig vom Rummel mausetot aufgefunden wird, tritt ein bestialisch stinkender Rudi Birkenberger auf den Plan, der jüngst beschlossen hat, dass wir alle unseren Teil gegen die Ressourcenknappheit beitragen sollten und der sich darum nicht mehr wäscht.

Meiner Interpretation nach (und das ist wirklich Auslegungssache) kommt die aktuelle Eberhofer-Krimödie mit etlichen Spitzen von links daher, indem sie Vorurteile und Klischees von rechts deutlich überhöht und persifliert: quasi-queere Belange im rosa Tutu, die rivalisierenden Clans auf einem Volksfest werden asozial, ungepflegt und semi-kriminell gezeichnet, Birkenberger macht (und es ist nur eine Szene, wie eine Randnotiz) Gesundheitstourismus zum Geschäftsmodell und der Darling der Reihe, der Franz, geriert sich komplett als Macho-Arsch, indem er sich einen Dreck um die politischen Ambitionen seiner Frau kümmert, ja sie sogar bewusst boykottiert! (Dass sie's ihm nachsieht, kommt einem Wunder gleich)

Die (zu) vielen Baustellen werden nicht wirklich ausgekostet, führen nicht zu interessanten Konstellationen und Entwicklungen, die meisten werden lediglich erzählerisch gestreift, während schauspielerisch im Grunde gar nicht so viel falsch läuft (Wunderbar wie immer Simon Schwarz und als Gast Petra Berndt; Milan Peschels Einsatz ist übrigens für die Katz, weil man ihm eine völlig uninteressante Nebenrolle verpasst hat). Es sind vielmehr die anderen Gewerke, die hier lustlos abliefern: die Blas- und Rockmusik wirkt inzwischen wie Konserve aus vorangegangenen Folgen, die Kameraarbeit ist nicht mehr so intuitiv und bösartig wie in den ersten Folgen, der Schnitt auffällig verschleppt (das absolut vermeidbarste Versäumnis!), Komparserie ist derart auffallend dürftig besetzt, dass man meinen könnte, es sei in einer Geisterstadt gedreht worden, und einige Gags wirken so konstruiert wie papiern. In Summe wirkt das, hätte man im Hinterkopf gehabt: "verkauft sich ja eh, müssen wir uns keine Mühe geben".

Weniger schön ist auch – aber das ist in diesem Kosmos vielleicht unverzichtbar – dass, obwohl sich Susi eine politische Position zu erkämpfen sucht, nach wie vor die meisten Frauen im Film drall und heiß zu sein haben, während die eher abgehalfterten Männer ihnen (gern in Nahaufnahme) hinterher geifern. Wen, bitte, soll das heute abholen?

Lisa Maria Potthoff, Thomas Kügel | © Constantin Film





Die zehnte Eberhofer-Krimödie vom etablierten Kreativ-Team liefert einerseits verlässlich, andererseits arg uninspiriert ab. Das kann man zwar leicht wegkonsumieren, aber es macht – von der letzten Einstellung abgesehen – kaum Lust auf die (ganz gewiss) bevorstehende elfte Folge.

cnm 


Der "Steckerlfisch" ist eine Grillspezialität aus dem Süddeutschen und Österreich. Es wird ein ausgenommener und gewürzter Fisch auf einen Holzstab gesteckt und dann über Holzkohle oder offenem Feuer langsam gegrillt.

Kommentare

Beliebte Posts der letzten 30 Tage

DER MANN, DER IMMER KLEINER WURDE – DIE UNGLAUBLICHE GESCHICHTE DES MR. C

LEBENSANSICHTEN EINES HUHNS

SORRY, BABY

INSEKTEN – HELDEN IM VERBORGENEN

ZWEI STAATSANWÄLTE

BUGONIA

TO MY SISTERS

LA SCALA - DIE MACHT DES SCHICKSALS

DER HELD VOM BAHNHOF FRIEDRICHSTRASSE

ETWAS GANZ BESONDERES