NIGHTBORN

NIGHTBORN ★★★☆☆☆
Start: 06.08.2026 | FSK 16
Seidi Haarla, Rupert Grint | © PietariPeltola, Alamode Film

Finnland, Litauen, Frankreich, Großbritannien 2026
Genre: Horror, Fantasy, Dark Tale
Länge: 92 Min.
Format: 2,39:1 (Scope)
Regie: Hanna Bergholm
Buch: Ilja Rautsi, Hanna B ergholm
Casting: Milda Augustaityté u.a.
VFX Supervisor: Tuomo Hintikka
Cast: Seidi Haarla, Rupert Grint, Pamela Tola, Pirkko Saisio, Rebecca Lacey, John Thomson
Kamera: Pietari Peltola F.S.C.
Schnitt: Jussi Rautaniemi F.C.E.
Musik: Eicca Toppinen

Mit ihrem Traum von Heim und Familie, gelebt in einem baufälligen Haus in den Wäldern Finnlands, haben sich Saga und Jon viel vorgenommen. Während ihrer Schwangerschaft modeln sie das völlig vermoderte Haus zu einem schönen Heim mit morbidem Charme. Kaum ist das Kleine – ein Junge – geboren, beginnen die Irritationen. Der kleine Kurre ist auf dem Rücken stark behaart, schreit unablässig, scheut das Licht und malträtiert die Mutter mit Fingerchen und Zähnen sprichwörtlich bis aufs Blut. Es soll ein langer, schmerzhafter Prozess sein, bis die Mutter nach und nach das Wesen ihres Kindes entdeckt und beginnt, ihm gerecht zu werden. Ihre Maßnahmen sind vorsichtig ausgedrückt unkonventionell – so ersetzt sie die Muttermilch (vom Baby abgelehnt) durch Konserven von Kuhblut.

Je mehr sich Saga mit dem Jungen solidarisiert, desto mehr verändert sie sich auch selbst und entfremdet sich von Jon und dem gesamten sozialen Umfeld. Alle anderen, so scheint es, erkennen die Wahrheit nicht und wenden sich nach und nach ab. Nur die Natur und das Haus (es scheint ein Eigenleben zu haben) bewegen sich auf das neue Leben im Walde unverkennbar zu.

Dies ist ein mutiges und explizit finsteres filmisches Gebilde rund um das Thema Mutterschaft und die Unbedingtheit mütterlicher Liebe. Die extremen Momente des Films sind ganz sicher nichts für Menschen mit geringer Ekel-Schwelle, dies zur Warnung (siehe Filmstill). Ich stehe dem Projekt ambivalent gegenüber, weil ich einerseits den Mut zur Radikalität schätze, mit dem hier Erwartungen unterlaufen werden, andererseits aber große Glaubwürdigkeitsprobleme mit den die Mutter umgebenden Figuren habe. Die Absonderlichkeiten des kleinen Jungen sind allzu offensichtlich (Lust auf Blut, Geschrei bei Licht, krasse Hautreaktion bei Berührung mit kaltem Metall), zu erschreckend, um sie gelassen auszublenden, wie es in dieser Geschichte Freundinnen und Ehemann es tun.

Vielleicht geht es auch darum, bildhaft darzustellen, wie hilflos sich eine Mutter nach der Niederkunft eines Kindes fühlen kann, wie sich Erlebniswelten verschieben und einen Menschen isolieren können. Dieses Gefühl wird hier in jedem Fall eindringlichst spürbar. Eines wird Nightborn nicht: Sie kalt lassen! Der Film hallt nach und macht nachdenklich wie wohl jede rabenschwarze Saga...

cnm 


Querverweis auf Brightburn: Son of Darkness und  Gretel & Hänsel

Kommentare

Beliebte Posts der letzten 30 Tage

INSEKTEN – HELDEN IM VERBORGENEN

LEBENSANSICHTEN EINES HUHNS

DER MANN, DER IMMER KLEINER WURDE – DIE UNGLAUBLICHE GESCHICHTE DES MR. C

ZWEI STAATSANWÄLTE

THE WOMAN KING

ETWAS GANZ BESONDERES

BUGONIA

DER HELD VOM BAHNHOF FRIEDRICHSTRASSE

TO MY SISTERS

SORRY, BABY