BLAME
Länge: 123 Min.
Buch: Christian Frei
Als sie während der nuller Jahre vor Pandemien in der Zukunft warnten, wurden sie nicht gehört. Als die Welt von der COVID-19-Pandemie heimgesucht wird, müssen dieselben Wissenschaftler nicht nur gegen das Virus kämpfen, sondern auch gegen eine Welle von Fehlinformationen, Verschwörungstheorien und politischer Schuldzuweisung, die drohen, die Wahrheit auf gefährliche Weise zu überlagern.
Der Weg dieser drei Wissenschaftler (und Freunde), die ihr Leben der Forschung an Fledermäusern zwecks rechtzeitiger Erkennung von übertragbaren Infektionskrankheiten gewidmet haben wird von Dokumentarist Christian Frei liebevoll nachgezeichnet. Die Qualität der Doku liegt vor allem im bedachten Tonfall, der weit weg ist vom Geschrei der Medien, PolitikerInnen und dem öffentlichen Raum (besonders dem digitalen), die wir hier erleben dürfen.
Unser aller Dilemma wird hier überdeutlich: wir wollen Sensationen, wir wollen Schuldige, Feindbilder, Sündenböcke (siehe Filmtitel: who's to blame?), Rufmord, fukussierter Hass und schnelle Antworten sind wichtiger als die gemeinsame, geduldsame Anstrengung, mittels internationaler Bündnisse und im Vertrauen auf die Wissenschaft die wahren Gründe für eine Pandemie zu orten. Denn Wissenschaft ist generell am Erkenntnisgewinn zwecks besserer Vorsorge für kommende Pandemien interessiert ("Gain-of-function Forschung", ein Begriff, der hier häufiger fällt).
Ich würde mal ganz zweckpessimistisch davon ausgehen, dass jene, die diesen Film sehen sollten, ihn nicht schauen werden. Dennoch ist es gut und hilfreich, dass ein Film so deutlich vor Augen führt, wie der Hase immer noch (schief)läuft. Und vielleicht kann der individuelle Widerspruch im täglichen Zwiegespräch schon einen Unterschied machen... Dank all den Mutigen, die ihre Forschung trotz enthemmter, massiver Attacken von Idioten in aller Welt weiter betreiben.

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