NO OTHER CHOICE

NO OTHER CHOICE ★★★★☆☆
Originaltitel: Eojjeolsuga eobsda | Start: 05.02.2026 | FSK 16
Lee Byung-hun | © Plaion Pictures



Südkorea 2025

Genre: Drama, Komödie
Länge: 139 Min.
Regie: Park Chan-Wook
Buch: Park Chan-Wook, Lee Kyoung-mi, Don McKellar, Jahnye Lee
Nach: Donald E. Westlake
Cast: Lee Byung-hun, Son Yejin Park Hee-soon, Lee Sung-min Yeom Hyew-ran, Cha Seung-won
Kamera: Kim Woo-hyung
Schnitt: Kim Ho-bin, Kim Sang-beom
Musik: Cho Young-wuk

Ein Papier verarbeitender Konzern muss Mitarbeitende entlassen – darunter Familienvater Man-su, der schon lange hier arbeitet und seine Existenz mit Familie, Haus, Hunden und etlichem Komfort für garantiert gehalten hatte. Nun, die Familie gibt sich flexibel und spart, wo es geht: fortan gibt es keine Tennisstunden, keinen Cello-Unterricht für die begabte Tochter, kein Netflix-Abo mehr, die Hunde werden weggegeben... doch wollen sie auch das Haus aufgeben, den Traum vom perfekten bourgeoisen Leben? Die Bewerbungen um neue Jobs des schon recht nervösen Mannes laufen ins Leere. Da kommt ihm der Gedanke, dass seine Mitkonkurrenten ja keine bleiben müssen, so er sie rechtzeitig... ausschaltet. Es beginnt ein so verwirrendes wie konfuses Spiel wortwörtlich ums Überleben. Immerhin ist Man-su ja kein gewohnheitsmäßiger Killer...

Regie-Ass Park Chan-Wook beglückt uns mit einer messerscharfen, beißenden Satire auf das schon seit langem stattfindenden Wegrutschen der so genannten Mittelschicht. Er konfrontiert uns gnadenlos (und mit Wonne maßlos übertrieben) mit den Ängsten vor Status- und Luxusverlust, der das soziale Klima immer deutlicher nach rechts kippen lässt. Vermeintlich brave, unschuldige Bürger werden hier umständehalber zu Monstern mit kaum merklich bröselnder Fassade der Wohlanständigkeit; ein Konzept ganz im Sinne des Altmeisters Claude Chabrol (1930 - 2010).

Formal ist diese Arbeit ein endloser Rausch. Kameraleistungen vom Feinsten, gewiefte Übergänge von Szene zu Szene (ungewohnte Überblendungen, verdammt ausgefeilte Schnitte), die an Kreativität kaum zu überbieten sind, energiegeladener Score wechselt mit erhabener, klassischer Musik, die souveränen Schauspielleistungen überzeugen allesamt. Bei aller Wertschätzung fand ich die Arbeit allerdings nicht leicht verdaulich. Mir war, als wollte der Regisseur (der seit 10 Jahren mit diesem Herzensprojekt laborierte) alles, was auch nur eben geht, in den Film packen und nun ja nichts auslassen. Das Ergebnis wirkt auf mich leicht wirr, konfus, überladen mit formaler und inhaltlicher Ambition – und meine anfänglichen Faszination wurde immer mal wieder von innerem Widerstand (oder Taubheit) abgelöst.

Das Ende jedoch ist fein ersonnen und darf als saftiger Arschtritt Richtung Schöne Neue Welt mit KI gelesen werden. Einige Straffungen und Kürzungen hätten der Erzählung m.E. in jedem Falle gutgetan.

cnm

Der Titel No Other Choice suggeriert, dass sowohl das Wegrationalisieren von Jobs als auch der unerbittliche Kampf um Jobs alternativlos sei – das ist an Ironie natürlich nicht zu übertreffen.

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