NOUVELLE VAGUE

NOUVELLE VAGUE ★★★★★★
Start: 12.03.2026 | FSK 12
Aubry Dullin, Zoey Deutch, Matthieu Penchinat, Guillaume Marbeck | © Jean Louis Fernandez



Frankreich 2025
Genre: Film im Film, Biopic, Filmgeschichte
Länge: 105 Min.
Regie: Richard Linklater
Buch: Holly Gent, Vince Palmo
Dialogadaption: Michèle Halberstadt, Laetitia Masson
Casting: Stéphane Batut
Cast: Zoey Deutch, Guillaume Marbeck, Aubry Dullin, Antoine Besson, Matthieu Penchinat, Jodie Ruth Forest u.a.
Kamera: David Chambille
Spezialeffekte: Alain Carsoux
Schnitt: Catherine Schwartz
Musikabteilung: Jérôme Lateur

Der junge Regisseur Linklater sagte einmal: jeder Regisseur sollte einmal einen Film übers Filmemachen gemacht haben. Diese Vorstellung trug er jahrelang mit sich herum, bis der Tod seines Idols Jean-Luc Godard im September 2022 den Anstoß gab, den eigenen Worten Taten folgen zu lassen. Linklaters filmische Idee war eine Art Making-of zum legendären, weil die Filmsprache radikal beeinflussenden Außer Atem (1960) zu realisieren. Godard war jung, ebenso Cast & Crew, sie hatten kaum Geld, aber sie hatten revolutionäre Ideen und die Liebe zum Film. Niemand konnte während des sperrigen Drehs wissen, dass hier Filmgeschichte geschrieben wurde. Für den Regisseur stand eines im Vordergrund: die Freiheit in allen Vorgängen. Er kümmerte sich nicht um Konventionen wie die Länge eines Drehtags oder um lästige Continuity-Fragen. Authentizität, Spontaneität und der Esprit der Figuren sollten den Film bestimmen.

Linklater und seine Leute haben nun unendliche Akribie darin gesetzt, diesen Geist lebendig widerzuspiegeln. Vor allem wurden weitgehend NoName Acteure gecastet mit dem Kriterium, den Originalen zunächst physisch möglichst ähnlich zu sein. Wichtiger aber ist, dass die Prämisse zum Dreh lautete: "Ihr wisst nichts, Ihr seid echt und unsicher, Ihr zweifelt am Erfolg der Produktion" usw. Selbst das technische Equipment und Drehorte wurden so perfekt wie möglich den Jahren 1959/60 angepasst; keine Schnörkel, einfache bzw. beschränkte Mittel, körniges Material bestimmen also den Look des Films. Für die komplizierte Finanuzierung des Projekts (das Fernsehen gab keinen Cent dazu) war das Modehaus Chanel gerne zur Stelle – immerhin hatte Seberg, schon derzeit ein Star, Chanel getragen. Kleidung wurde extra hergestellt, Nähte, Textur und Farben von Vintage-Stücken so lange geprüft, bis sie als so authentisch wie eben möglich durchgingen. Mit diesen kurzen infos möchte ich betonen: hier wurde rein gar nichts dem Zufall überlassen, damit das Ergebnis so perfekt und glaubwürdig wie möglich vom Gegenteil, von Improvisation und Lässigkeit erzählen kann. Das Resultat ist atemberaubend.

Im Kino erging es mir so, dass ich wie berauscht war und den Eindruck, das Gefühl hatte: dieser ganze Saal, in dem ich gerade sitze, wird komplett in die 1960er Jahre gebeamt. Wir alle sind an einem anderen Ort und atmen diese Luft, erleben diese Zeit. Für einen Cineasten kann es nichts Beglückenderes geben.

cnm 

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