ZU WEIT WEG

- ...der jemand kennt, der jemand kennt... -
ZU WEIT WEG ★★★★★☆
Yoran Leicher, Sobhi Awad

Deutschland 2020
Genre: Kinderfilm, Familie
Länge: rund 90 Min.
Regie: Sarah Winkenstette
Buch: Susanne Finken
Darsteller: Yoran Leicher, Sobhi Awad u.v.m.
Kamera: Monika Plura
Schnitt: Nicole Kortlüke
Musik: Leonard Petersen

Eine Zwangsumsiedlung ist keine große Sache. Immerhin wird Ben mit seiner Familie lediglich ein paar Kilometer weiter ziehen und kann dort ebenso gut seiner Leidenschaft, dem Fußballspiel, nachgehen. Für Braunkohlegewinnung wird sein Dorf plattgemacht. Na und? Ist eben so. - Ganz so einfach ist es dann aber doch nicht, denn mit einem Schlag verliert Ben seinen gewohnten Fußballverein, in dem er als Stürmer beliebt war, "jemand" war, wird ersetzt, wird vergessen. Jetzt findet er nicht so leicht neue Kontakte und wird zu allem Überfluss auch noch neben Tariq gesetzt, einen syrischen Jungen, der mit Fußball auf den ersten Blick nicht so viel am Hut hat, dabei aber einen eigenwilligen Charme besitzt, dem die anderen schnell erliegen. Die beiden beäugen sich skeptisch...
In Bens Familie haben alle ihr eigenes Ding zu laufen, wie zum Beispiel die Schwester, die gerade sowieso gegen alles ist. Isolation macht sich breit: um ihn und in ihm, egal, wie er sich ins Zeug legt. Doch die kleinen Wunder passieren, ohne dass man sie geplant hätte, und sie passieren dort, wo man sie nicht sucht.

Es tut mir in der Seele weh, dass dies ein Kinderfilm sein soll, denn es ist ein Film für jedes Alter. Wenn du Fußball liebst, wenn du überhaupt für irgendwas brennst, oder wenn du vielleicht nicht mehr weißt, wo du eigentlich hingehörst, wenn noch  irgendeine Form von Sehnsucht in dir wohnt... musst du diesen Film anschauen, ob du sieben Jahre alt bist oder siebenundachtzig. Bemerkenswerterweise stellen die Erwachsenen hier eher eine Art skizzenhaften, zuweilen leicht komödiantisch-flappsigen Rahmen fürs Eigentliche dar: die Kinder, die so glaubhaft und dicht und echt gezeichnet sind, dass ich von großer Oper sprechen möchte. Die jungen Schauspieler bringen ein irres Talent für feinste Nucancen mit, und die Regie hat alles aus ihnen herausgeholt bzw. zum Vorschein gebracht: Erwachsene könnten nicht besser spielen. Die Geschichte ist derart gut und stimmig gestrickt, dass wir es gleich zur Öffnung der Schranken "nach" Corona mit einem kleinen Wunderwerk zum Thema innere Schranken zu tun bekommen.  Empathischen Menschen empfehle ich die Mitnahme von Taschentüchern, nur für den Fall...

"Zu weit weg" ist eine Filmperle mit einem riesigen Herz, die sich unbedingt zu entdecken lohnt, und das keineswegs nur fürs erklärte Zielpublikum.

cnm
 
Ein Exemplar als DVD ist in meiner Verlosung. Schreiben Sie mir eine mail mit Ihrer Anschrift und der Betreffzeile "Zu weit weg" an:
cinemoenti@email.de 

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