BIERMANN

BIERMANN
Start: 29.10.2026 | FSK 0
Wolf Biermann bei seinem berühmtesten Konzert: In der Kölner Sporthalle im November 1976.  © Wolfgang Steche



Deutschland 2026
Genre: Dokumentarfilm, Porträt
Länge: 120 Min.
Format: 1,66:1
Regie: Jens Meurer
Buch: Dirk Kämper, Jens Meurer, Pamela Biermann
Mit: Wolf Biermann, 
Kamera: Sebastian Ganschow, Bernd Fischer
Schnitt: Antje Lass, Zenon Kristen, Grete Jentzen

Der Liedermacher und Lyriker Wolf Biermann (*1936 in Hamburg) gilt als das Symbol deutsch-deutscher Geschichte, war er doch auf seine ganz eigene Weise involviert – als öffentliche Person und als jemand, der die Klappe nicht halten kann. Er selbst redet in dieser Doku über sich und seine verschiedenen Lebensphasen, über seinen damaligen Wunsch, die DDR nur kurzfristig zu verlassen, um einmal die Welt zu sehen – und dann wieder zurückzukommen – keiner verstand das, eine der bemerkenswertesten (und irgendwie traurigsten) Schilderungen des Mannes. Fest steht: Biermann fiel auf, er zeigte immer Haltung, er stand (und steht) auf für seine Anschauungen. Sich selbst sieht er jederzeit kritisch: ist bereit, alte Überzeugungen über Bord zu werfen, wenn er zu neuen Ergebnissen kommt (wie etwa in der Frage: kann es einen demokratischen Sozialismus geben?).

Dokumentarist Meurer verflicht in seiner Arbeit Gespräche mit dem alten Biermann (dessen Feuer spürbar glüht wie einst) über sein Leben und die verschiedenen politischen wie privaten Zeitfenster, Umbrüche, Höhe- und Tiefpunkte in seinem Leben mit dokumentarischem Material, wie etwa dem bedeutendsten seiner Konzerte in Köln 1976 (siehe Bild oben).

Was mich beim Sichten des Porträts umgehauen hat, ist die Einfachheit und Direktheit Biermanns. Da sind weder Schnörkel noch Selbstgefälligkeit erkennbar, wie das bei Leuten, die sich heute öffentlich äußern, meistens der Fall ist. Nein, er ist eindeutig getrieben von dem, was ihm auf den Zeiger geht, er kann nicht anders, als laut zu werden! Eine Qualität, die gerade heute wieder bitter nötig wäre bei der breiten Masse, die dem aktuellen Rechtsruck Lämmern gleich entgegenschaut.

Filmtechnisch ist die Doku weniger rühmlich gelungen (so etwa ist sie schon zu Beginn recht krude geschnitten und über die gesamte Länge mies abgemischt, schlimme Atmo-Löcher inclusive). Bei einem solch beeindruckenden "Objekt" war mir das allerdings ziemlich schnuppe, allein, es gebührte dem Sonderling imho unbedingt solideres Handwerk, nicht unter Standard, wie hier.

Heute ist man ja übersatt vom Frontgehabe narzisstischer Menschen im öffentlichen Raum. Wolf Biermann steht angesichts dessen da wie ein helles Licht ungebrochener Haltung und Authentizität. Unverfälscht, ehrlich zu uns und – viel beeindruckender – zu sich selbst. Es tut gut, den Mann aus nächster Nähe kennenzulernen.

cnm 

Wolf Biermann vor seinem ehemaligen Wohnhaus in der Chausseestraße 131 in Ost-Berlin, wo er zu DDR-Zeiten bis 1976 wohnte
und von der Stasi überwacht wurde. 
© Majestic / Sebastian Ganschow, Bernd Fischer




Das Plakat zur Doku gibt es in verschiedenen Farben, zum Beispiel diesen:























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