LIEBHABERINNEN

LIEBHABERINNEN ★★★★★☆
Start: 22.10.2026 | FSK 16
Johanna Wokalek | © COIN FILM, Foto: Jakob Berger



Deutschland, Luxemburg 2026
Genre: Tragikomödie
Format: Cinemascope (2,35:1)
Länge: 98 Min.
Regie: Koxi
Buch: Koxi, Antonio de Luca
Nach: Elfriede Jelinek (Roman)
Cast: Johanna Wokalek, Hannah Schiller, Ben Münchow, Sar Adina Scheer, Susanne Bredehöft, Victoria Trauttmansdorff, Ulrike Willenbacher, Stephanie Stremler, Jasmin Mokhtare, Sveamaus u.a.
Musik: Kai Holzkämper

Brigitte (im reiferen Alter) und Paula (noch jung) sind die zentralen Figuren in dieser Erzählung. Brigitte hat übergangsweise einen Job als Messe-Hostesse, was bedeutet, dass sie prekär lebt. Finanziell muss sie permanent improvisieren, um überhaupt über die Runden zu kommen, derweil sie vom Arbeitgeber streng angehalten ist, während des Kundenkontakts beständig zu lächeln, ein gutes Gefühl zu vermitteln. Sich die übergriffigen Männer vom Leib zu halten – freundlich, versteht sich – ist das Anstrengendste daran.
Paula dagegen hat keinerlei Perspektive, und das postet sie täglich online. Ihr digitaler Ruf in die Welt: sie stürbe vor Langeweile und sehne sich nach einem besonderen Leben. Immerhin kann sie lüsternen Männern ihre Unterwäsche und Ähnliches mehr verkaufen und so ein wenig Geld generieren. An den beiden Frauen hängen ihre Mütter als zusätzlicher Ballast: zynisch und verrückt, übergriffig wie die Männer es auch sind, nur eben verbal. Ist das die Hölle? Unbedingt. Die Hölle, die wir alle auf die eine oder andere Weise durchleben, selbst, wenn wir vermeintlich auf der Gewinnerseite stehen.

Liebhaberinnen bringt Qualitäten mit, die sich sonst kaum ein Autor/Regisseur (m/w/d) traut bzw. leisten will. Seziert wird mit trockenem und ausgesprochen bitterem Humor die Realität unser aller sogenannten Freiheit auf dem neoliberalen (Arbeits-)Markt: als Mensch, als Arbeitskraft. Hier gibt es nur die vage Hoffnung auf Erlösung, die sich in den Köpfen der Figuren abspielt, und hier gibt es allein Fluchtmöglichkeiten, die aus Selbstverrat resultieren. Denn letztlich gehorchen wir alle dem Geld, weil die Welt sich darum dreht und die Bosse das Sagen haben. 

Die Story gibt sich dankenswerterweise aber nicht moralisch-belehrend, sondern nüchtern, eiskalt und beiläufig – wie die besten Texte der Zynikerin Sibylle Berg. Umso mehr schmerzt es, dem zuzusehen! Ein Schmerz allerdings, der gut ist, weil er einen mit teuflischer Süffisanz aufrüttelt. – Das nenne ich eine brillante Leisung! – Überaus sehenswert für alle mit etwas Geduld und belastbaren Nerven.

cnm 

Hinweis: wenn Sie diesen Film nicht mögen, sind Sie vermutlich wahlweise ein Mann oder hatten
noch nie existentielle Nöte.



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