DAS GLÜCKSRAD
DAS GLÜCKSRAD ★★★★★☆
Originaltitel: Guzen to sozo | Filmstart: 01.09.2022 | FSK 12
Japan 2021
Genre: SpielfilmLänge: 120 Min. (langer Film)
Regie: Ryusuke Hamaguchi
Buch: Ryusuke Hamaguchi
Buch: Ryusuke Hamaguchi
Cast: 1.: Kotone Furukawa, Ayumu Nakajima, Hyunri. 2.: Kiyohiko Shibukawa, Katsuki Mori, Shouma Kai. 3.: Fusako Urabe, Aoba Kawai
Kamera: Yukiko Iioka
Kamera: Yukiko Iioka
In drei voneinander unabhängigen Tableaus erzählt der Regisseur von Begegnungen einander bekannter oder unbkannter Personen, hauptsächlich in Echtzeit. Im Zentrum steht jedes Mal ein Begehren: das vergangene, das befürchtete, das erhoffte.
1. Nachdem Meiko von einer romantischen Begegnung ihrer Kollegin mit dem Ex erfährt (und zwar in begeisterter Schilderung von der Kollegin selbst, die nicht ahnt, dass die beiden mal zusammen waren), besucht sie den längst Verflossenen und provoziert ihn in Stalker-Manier.
2. Eine Studentin dokumentiert ihren Verführungsversuch am Professor für Französisch. Nachdem sie das Dokument versendet hat, merkt sie, dass die mail aus Versehen an die falsche Adresse ging - was nicht ohne Folgen bleibt.
3. Nach Jahren erkennt eine Frau eine ehemalige Freundin auf der Straße zufällig wieder. Die beiden kommen ins Gespräch und unterhalten sich über das Leben und persönliches Glück. Allerdings beruht die gesamte Situation auf einem fatalen Missverständnis.
Mit seinem filmischen und inszenatorischen Stil darf Regisseur Hamaguchi als Solitär angesehen werden. Bei ihm steht das erzählende Moment im Vordergrund, und er stellt keine filmischen Spirenzchen zwischen uns und die gezeigte Geschichte. Unter Geschichte versteht er dabei vorrangig Innerpsychisches, das sich in kleinsten Handlungen und - vor allem - dem gesprochenen Wort zeigt. Die Kamera bleibt weitgehend total, geschnitten wird so gut wie nicht, seine Figuren lassen kaum Gemütsregungen erkennen, während sie sprechen. Und doch - und das ist das Wunder - entstehen ganze Welten aus Hoffnung, Missgunst, Intrige, Trauer, Sehnsucht... Mit dieser literarischen Qualität des Erzählens (er)schafft er Geschichten (im vorliegenden Fall drei von mittlerer Länge), denen man nach Sichtung noch ewig nachhängen und -sinnen kann, weil sie so still sind wie durchdringend, so klein wie allgemein gültig.
Konkret schien mir, dass hier vorrangig Frauen gezeigt werden, die auf die eine oder andere Art wie obsessive, manipulative Quälgeister wirken. Das Glücksrad kann kein Film für eines jeden Geschmack sein, dafür ist er zu still, zu langsam, allem Anschein nach zu unspektakulär. Für CinéastInnen, würde ich jedoch zu behaupten wagen, sind Filme von Hamaguchi Pflicht.
Dialoge und keine "Action". Das ist schräg, das ist besonders, das ist literarisch. Ein Leckerbissen für ArtHaus-Freunde.
cnm

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