ICH CAPITANO
ICH CAPITANO ★★★★★☆
Originaltitel: Io Capitano | Filmstart: 04.04.2024 | FSK 16
Italien, Belgien 2023
Genre: DramaLänge: 124 Min.
Regie: Matteo Garrone
Buch: Matteo Garrone, Massimo Gaudioso, Massimo Ceccherini, Andrea Tagliaferri
Casting: Constance Demontoy, Francesco Vedovati, Didier Njikam
Buch: Matteo Garrone, Massimo Gaudioso, Massimo Ceccherini, Andrea Tagliaferri
Casting: Constance Demontoy, Francesco Vedovati, Didier Njikam
Cast: Seydou Sarr, Moustapha Fall, Issaka Sawadogo u.a.
Kamera: Paolo Carnera
Schnitt: Marco Spoletini
Musik: Andrea Farri
Kamera: Paolo Carnera
Schnitt: Marco Spoletini
Musik: Andrea Farri
Die beiden befreundeten jungen Männer Seydou und Moussa leben im Senegal und hegen schon seit längerem den Traum, in Europa ihr Glück zu machen. Darüber offen sprechen können sie nicht, ohne von den Eltern heftigen Gegenwind zu bekommen. Also schleichen sie sich eines Nachts heimlich davon und begeben sich auf eine Odyssee, die so gar nicht dem entsprechen wird, was sie sich in in ihren Tagträumen ausgemalt hatten. Die Strapazen, die sie dabei auf sich nehmen müssen, sind noch das geringste Übel. Unterwegs werden sie bis auf die Knochen erbarmungslos geschröpft und ausgebeutet, belogen und misshandelt, verraten und verkauft. Es ist, als würden sie in einen Strudel aller denkbaren Menschenunwürdigkeit geraten - und sie können nur hoffen, dass sie den irgendwie überleben. Wenn einer von ihnen als Kapitän eines übervollen Bootes angeheuert wird und die Antwort auf seine vehementen Zweifel lauten: "C'est très facile" (das ist ganz leicht), ist das der blanke Hohn.
Garrone gelingt es mit seinem bildgewaltigen und einfühlsam inszenierten Fluchtdrama, größtmögliche Identifikation anzubieten. Er wählt dabei an wenigen, ausgesuchten Stellen sogar eine poetische, traumgleiche Symbolik, die nicht ins Kitschige abdriftet, sondern fast schon hypnotisch wirkt. Auch wenn er mit bisweilen grenzwertig ästhetisierten Bildern (vor allem dann bedenklich, wenn es um Folter geht) operiert und damit offensichtlich mehr die europäischen Sehgewohnheiten bedient als die der Opfer, empfinde ich den hier gezeigten Leidensweg als ein geeignetes Instrument zur besseren Einfühlung und damit für mehr Offenheit gegenüber Geflüchteten.
Schön und schmerzhaft zugleich, großes, leidenschaftliches Kino mit einem hoffentlich guten Effekt auf unser aller Offenheit gegenüber MigrantInnen.
cnm

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