MEMORY HOTEL

MEMORY HOTEL
Start: 30.10.2025 | FSK 12
Sophie in Gefangenschaft | © Neue Visionen



Deutschland 2024
Genre: Animation, Drama
Länge: 101 Min.
Regie: Heinrich Sabl
Buch: Heinrich Sabl
Dt. Stimmen: Elsa Seusing, Svenja Liesau, Dagmar Manzel, Milan Peschel, Milton Welsh, Anton Peisakhov, Sergej Gladkich, Steffi Kühnert, Florian Lukas, Heinrich Sabl, Katharina Wackernagel u.a.
Kamera: Andy Kaiser
Schnitt: Ute Schall, Enrico Basl
Musik: Tom Mäwers, Erik Lautenschlaeger

Deutschland, 1945: die fünfjährige Sophie und ihre Eltern fliehen zum Ende des 2. Weltkriegs vor der Roten Armee. Im Gepäck haben sie nur ein paar Kleidungsstücke und Fahrkarten für ein Schiff nach Amerika. Doch das Schicksal hat andere Pläne. Während einer Rast im Hotel gerät die Familie in einen Konflikt mit dem diabolischen Nazi Scharf und seinem Hitler-Jungen Beckmann – mit fatalen Folgen. Im brutalen Handgemenge verliert die kleine Sophie nicht nur ihre Eltern, sondern auch ihre Erinnerungen. Als sie wieder zu sich kommt, ist das Hotel in sowjetischer Hand und sie zur Köchin des Hauses befördert. Die Jahrzehnte verstreichen wie im Fluge, und unter der Obhut des Sowjetsoldaten Wassili wächst Sophie zur Frau heran. Noch ahnt sie nicht, dass die Wahrheit über ihre Vergangenheit den Weg in ihre Zukunft ebnen wird – und der erste Hinweis im Luftschutzkeller des Hotels seit vielen Jahren nur darauf wartet, von ihr entdeckt zu werden.

Hier geht es nicht anders: zunächst muss festgehalten und anerkannt werden, dass Heinrich Sabl an diesem handgemachten Stop-Motion-Film ein viertel Jahrhundert gearbeitet hat. In Phasen von je etwa vier Jahren hat er diverse Studios  belegt, dutzende von Fachleuten begleiteten ihn bei dem Mammut-Projekt. Das Handgemachte ist dem Film anzusehen und macht ihn m.E. besonders "wertig". Hier steckt Liebe und und Geist in jedem einzelnen Bild! Die Geschichte um einen fatalen Identitätsraub ist duster in Farbe, Gestus und Vertonung, Menschen sind aneinander gekettet und einer alptraumhaften, kafkaesken Situation ausgeliefert über den irren Zeitraum von fast 50 Jahren: da spiegeln die Produktionsbedingungen die Handlung des Films wieder. 

Doch ach, das Resultat ist nur allzu schwer verdaulich. Sperrig die vielen metaphorischen Momente, sperrig der kontemplative Charakter so vieler Szenen, die einen auf eine Art sedieren, dass eine automatische Gegenwehr entsteht wie ein Überlebensreflex. Mir zumindest ging es so: ich war ständig hin- und hergerissen zwischen Respekt vor der Leistung und einer nicht zu leugnenden Überforderung, womöglich, weil ich mit dem Topos Deutscher Osten nicht aus der eigenen Biographie vertraut bin. Unmöglich für den Moment, das in Sternen auszudrücken: Memory Hotel oszilliert zwischen Geniestreich und Zumutung!

Allerdings meine ich, man sollte den Film gesehen haben, ihn erlebt, durchlitten oder genossen haben. Und auf meiner Agenda steht, ihn möglichst bald wieder zu schauen, um ihm so gut als möglich gerecht werden zu können.

cnm 

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