ETWAS GANZ BESONDERES
ETWAS GANZ BESONDERES ★★★★½☆
Englischer Filmtitel: HOME STORY
Englischer Filmtitel: HOME STORY
Start: 09.07.2026 | FSK 12
Deutschland 2026
Genre: SpielfilmLänge: 116 Min.
Regie: Eva Trobisch
Buch: Eva Trobisch
Casting: Jacqueline Rietz, Susanne Ritter
Buch: Eva Trobisch
Casting: Jacqueline Rietz, Susanne Ritter
Cast: Frida Hornemann, Max Riemelt, Eva Löbau, Rahel Ohm, Peter René Lüdicke, Gina Henkel, Ida Fischer, Florian Geißelmann, Yvon Sable Moltzen, Florian Lukas, Thomas Schubert
Kamera: Adrian Campean
Schnitt: Laura Lauzemis
Musik: Teho Teardo
Kamera: Adrian Campean
Schnitt: Laura Lauzemis
Musik: Teho Teardo
Der Film wirft einen kaleidoskopischen Blick auf mehrere Generationen einer ostdeutschen Familie, von denen jede und jeder das Beste will und es doch mächtig knirscht im Gebälk. Einen aufregenden Kickstart erlebt Lea, die sich mit ihrer Musik für eine Castingshow beworben hat und angenommen wurde. Der Strudel medialer Aufmerksamkeit tangiert somit automatisch den Rest der Sippe, da die neugierigen Kamerateams für ein Porträt der jungen Frau intime Bereiche unter die Lupe nehmen. Über allem schwebt nicht nur für Lea die Frage: was macht dich besonders? Wer bist du? Es entsteht ein Heischen um Aufmerksamkeit für die einen, der Kampf uns Überleben für die anderen, die Suche nach einem Platz in der Welt für die, die zu viel verloren haben...
Leas Eltern sind frisch getrennt (das soll möglichst außen vor bleiben), die Pension läuft kaum noch und muss womöglich aufgegeben werden (auch das soll möglichst außen vor bleiben), Tante Kati ist verantwortlich für das Museum (im "kontrapunktischen" Zusammenspiel mit einer ehemaligen Fabrik), mit dem die Geschichte des Ortes als Touri-Magnet den Ort aufpeppen (oder Kati Bedeutung geben) soll. Die Oma macht gute Miene zum bösen Spiel, fragt sich, was aus ihrer Lebensleistung geworden ist, wer hier gerade wen verkauft – und verfällt zusehends in eine Art Schockstarre, was leider kaum jemandem auffällt. Ein einziges Buhlen und Schaulaufen, ein Verwirrspiel aus Schein und Sein. Was wohl das Fernsehen aus dieser Gemengelage destilliert, um das junge Gesangstalent vorzustellen?
Eva Trobisch, die viele Jahre an diesem Film gearbeitet hat, legt keine einfache Geschichte vor, sondern einen kaleidoskopischen, multiperspektivischen Blick auf Generationen, die sich daran abmühen, miteinander und mit sich selbst klarzukommen. Wie mit der wilden Achterbahn erleben wir politischen Diskurs, den Vergleich der Systeme Ost und West (die Gemeinschaft gegenüber dem Individuum als höchstes Gut), sehr persönliche Befindlichkeiten wie Stolz und Abscheu, Verrat und Liebe, Kampf der Weltanschauungen und Resignation... Trobisch. bietet nicht, wie es sonst üblich ist, eine Identifikationsfigur an, sondern springt zwischen den Lebenswirklichkeiten ihrer Figuren.
Obwohl ich den Film zwei mal gesichtet habe, war und bin ich sowohl überfordert als auch fasziniert. Ihre Inszenierung ist so authentisch, dass man den Film streckenweise als dokumentarisch erlebt, die Struktur wie schon gesagt sprunghaft, assoziativ, intuitiv. Es kann nicht anders sein, als dass besonders diese Geschichte ohne klar definiertes episches Zentrum so viele Lesarten hat wie Zuschauende. Hier ein paar Gedanken, die mir durch den Kopf gingen: Kapitalismus ist Scheiße, Kapitalismus führt uns zur Huldigung von Oberfläche. Wir können einander – räumlich oder familiär – noch so nah sein; immer noch trennen uns Welten, wenn wir nicht wirklich hinschauen und zuhören, wenn wir nicht auf einander aufpassen (Meine liebste Figur in dem Zusammenhang: Rahel Ohm als Oma Christel, brillant gespielt). Das Prinzip des Individuums widerspricht nicht dem des Kollektivs – solange wir auf Eitelkeiten verzichten und im Dialog bleiben.
Obwohl ich den Film zwei mal gesichtet habe, war und bin ich sowohl überfordert als auch fasziniert. Ihre Inszenierung ist so authentisch, dass man den Film streckenweise als dokumentarisch erlebt, die Struktur wie schon gesagt sprunghaft, assoziativ, intuitiv. Es kann nicht anders sein, als dass besonders diese Geschichte ohne klar definiertes episches Zentrum so viele Lesarten hat wie Zuschauende. Hier ein paar Gedanken, die mir durch den Kopf gingen: Kapitalismus ist Scheiße, Kapitalismus führt uns zur Huldigung von Oberfläche. Wir können einander – räumlich oder familiär – noch so nah sein; immer noch trennen uns Welten, wenn wir nicht wirklich hinschauen und zuhören, wenn wir nicht auf einander aufpassen (Meine liebste Figur in dem Zusammenhang: Rahel Ohm als Oma Christel, brillant gespielt). Das Prinzip des Individuums widerspricht nicht dem des Kollektivs – solange wir auf Eitelkeiten verzichten und im Dialog bleiben.
Was nehmen Sie aus dem Film mit?
cnm
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