DER GEHEIMNISVOLLE BLICK DES FLAMINGOS
DER GEHEIMNISVOLLE BLICK DES FLAMINGOS ★★★★★☆
Originaltitel: La Misteriosa Mirada Del Flamenco | Start: 04.12.2025 | FSK 16
Frankreich, Chile, Deutschland, Spanien, Belgien 2025
Länge: 104 Min.
Regie: Diego Céspedes (Langfilm-Debüt)
Buch: Diego Céspedes
Casting: Roberto Matus
Buch: Diego Céspedes
Casting: Roberto Matus
Cast: Tamara Cortés, Matías Catalán, Paula Dinamarca, Pedro Muñoz, Luis Tato Dubó, Vincente Caballero, Andrés Almeida, Claudia Cabezas, Félipe Rios, Bruna Ramírez u.a.
Kamera: Angello Faccini
Schnitt: Martial Salomon
Musik: Florencia Di Concillio
Kamera: Angello Faccini
Schnitt: Martial Salomon
Musik: Florencia Di Concillio
1982: Die zwölfjährige Lidia lebt in Flamingos queerer Familie, die eine Bar am Rande einer kleinen Bergbaustadt in der nordchilenischen Wüste betreibt. Der Ort ist inzwischen so gut wie ausgestorben, der Tuntengemeinschaft steht eine Gruppe meist älterer Invaliden gegenüber: man beäugt sich skeptisch, begehrt und fürchtet einander. Lidia wird von den ansässigen Jungs eher drangsaliert als angenommen, dafür aber von ihrer Solidargemeinschaft effektiv verteidigt. – Als sich eine unbekannte tödliche Krankheit auszubreiten beginnt, entsteht das Gerücht, diese werde bereits allein durch den Blick einer Tunte auf einen anderen Mann übertragen. Als Lidias Wahlfamilie beschuldigt wird, der Ursprung der Krankheit zu sein und sogar befohlen, sich gefälligst Augenbinden anzulegen, begibt sich Lidia auf die Suche nach verlässlichen Antworten.
Der 1995 geborene schwule Regisseur bringt in diesen Film eine Menge seiner eigenen Lebenserfahrungen ein, und das ist dem Resultat anzusehen. Hier gibt's keinen Kitsch und keine Schnörkel, sämtliche Figuren atmen Authentizität, das bisschen Ausgelassenheit, welches gelegentlich durchsickert, ist eindeutig Überlebensstrategie. Etwas Unerklärliches zieht sich durch diese Inszenierung, es ist etwas durch und durch Echtes, etwas, was man zugleich ahnt und fühlt, etwas Altes und etwas Zeitloses: Schmerz und Verlorenheit begegnen Geilheit und Grausamkeit, unendliche Melancholie steht unendlicher Geborgenheit vis-a-vis gegenüber. Der Effekt, den das trotz einiger unnötiger Längen hat, lässt sich kaum in Worte fassen, das ist Kino-Magie pur, wie sie nur einige wenige Meister beherrschten.
Beispiele: Céspedes setzt Supertotalen ein, die nie willkürlich sind, sondern die Figuren wie aus Gott-Perspektive zeigen, pur, verloren, sich selbst überlassen. Mit untrüglichem Gespür unterlegt er Musik, die beinahe melodramatisch daherkommt, andererseits aber nie eine Szene überfrachtet. Selbst die Bilder protzen nahezu mit Bescheidenheit bzw. Understatement, was Lichtgebung, Kadrage und Perspektiven angeht. Nur so kommt die hochsensible Schauspiel-Regie des Jungtalents voll zur Geltung.
Was sich alles in allem ergibt, ist eine melancholische Rückschau auf eine von Zerstörung und Misstrauen geprägte, dunkle Ära, die sich nur mit der Gelassenheit und Güte einer queeren Community aushalten ließ.
Diego Céspedes ist ein Geschenk ans Kino. Ich werde seinen nächsten Spielfilm mit Andacht erwarten.
cnm
Auszeichnungen:
Cannes Filmfestival: Un certain regard – Hauptpreis. |. Brussels International Film Festival: Grand Prix
Brussels
International Film Festival: FIPRESCI-Preis. |. Festival de Cine de Lima: Bester Debütfilm
San Sebastián International Film Festival: Sebastiane Award

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