COTTON QUEEN

COTTON QUEEN ★★★★★
Originaltitel: Malikat Alqutn | Start: 23.04.2026 | FSK 12
Mihad Murtada | © jip film & verleih



Deutschland, Frankreich, Palästina, Sudan, Saudi-Arabien, Quatar 2025
Genre: Drama, Coming of Age
Länge: 93 Min.
Regie: Suzannah Mirghani (Langfilm-Debüt)
Buch: Suzannah Mirghani
Cast: Mihad Murtada, Rabha Mohamed Mahmoud, Talaat Fareed, Haram Bisheer, Mohamad Musa, Hassan Kassala, Fatma Farid
Kamera: Frida Marzouk AFC
Schnitt: Amparo Mejias, Simon Blasi, Frank Müller
Musik: Amine Bouhafa

Die 15jährige Sudanesin Nafisa verbringt ihre Sommerferien bei der Baumwollernte helfend, das ist keine schlechte Zeit; mit ihren Freundinnen kann sie dabei albern und von Liebe träumen. Verliebt ist sie ohnehin in einen Jungen aus dem Dorf. – Der scheint allerdings nur den Handeln mit seinen Lauchzwiebeln im Sinn zu haben. Nafisas Großmutter, die angesehene Matriarchin im Dorf, gibt der jungen Frau Obdach und Ratschläge – immerhin ist sie so etwas wie eine historische Heldin und weiß, wie das Leben geht. Sie hat auch längst einen Plan für die Enkelin: als Nadir, ein erfolgreicher Geschäftsmann für kurze Zeit zurückkommt, um im Sudan genmanipuliertes Saatgut anzubringen, plant die Oma eine Vermählung der zwei mit dem vorrangigen Ansinnen, die eigene wirtschaftliche wie machtpolitische Stellung zu festigen und auszubauen. Nafisa hingegen hat andere Pläne, und nun ist es für sie an der Zeit, einen Weg zu finden zwischen Tradition und Moderne, zwischen familiären Verpflichtungen und Selbstverwirklichung. Bei der großen Verbundenheit zur Großmutter eine schier unlösbare Aufgabe.

Ich fasse mich kurz. Es ist kaum zu glauben, dass dies ein Debüt sein soll. Die Schauspielführung ist meisterlich gelungen, man wird derart in die Komplexität und Ambivalenzen der Figuren hineingeführt, dass man regelrecht eintaucht in eine Welt, die fasziniert und gruselt zugleich. Hier gibt es kein Schwarzweiß und keine einfachen Lösungen, nur menschlich nachvollziehbare Lebenswelten, so wie überall auf der Welt. Mythen wie die der unfehlbaren weisen Alten werden ebenso 'runtergebrochen wie die des rettenden Prinzen oder altruistischer Selbstaufopferung der Hauptfigur. Diese Universalität, die Differenziertheit und Einfühlsamkeit in der Darstellung macht den Film derart komplex, dass ich die Spieldauer von nur 93 Minuten im Nachhinein kaum glauben will.

Cotton Queen ist Kino-Magie pur: tief, berührend, real, relevant. Und es macht Lust auf alles, was von Suzannah Mirghani noch kommen mag.

cnm 

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