LINA BRAAKE

LINA BRAAKE ODER DIE INTERESSEN DER BANK KÖNNEN
NICHT DIE INTERESSEN SEIN, DIE LINA BRAAKE HAT
 
★★★★★
Wiederaufführung: 16.04.2026 | FSK k.A.
Lina Carstens | © Der Filmverleih



Deutschland 1975
Genre: Drama, Dramödie, Gaunerstück
Länge: 87 Min.
Regie: Bernhard Sinkel
Buch: Bernhard Sinkel
Cast: Lina Carstens, Fritz Rasp, Walter Sedlmayr, Benno Hoffmann, Herbert Bötticher, Rainer Basedow, Teseo Tavernese, Ellen Mahlke u.a.
Kamera: Alf Brustellin
Schnitt: Heidi Genée
Musik: Joe Haider

Lina Braake lebt mit lebenslangem Wohnrecht in ihrer Wohnung. Dachte sie. Nach dem Tod des Eigentümers geht das Haus an eine Bank über, die es neu verwerten will. Lina verliert ihr Zuhause und wird gegen ihren Willen und in Windeseile in ein Altersheim gebracht. Die ansonsten resolute, hellwache Frau droht in einer Depression zu versinken! Doch sie ist nicht allein. Sie lernt den 84-jährigen Gustaf Härtlein kennen, der mit den Abläufen der Finanzwelt vertraut ist. Gemeinsam entwickeln sie einen Plan, um die Bank mit ihren eigenen Mitteln zu schlagen.

Wie gut, dass Lina Braake noch einmal im Kino zu sehen ist. Das Thema ist wieder brandaktuell, es betrifft MieterInnen jeden Alters, und es ist der pure Stress für alle Betroffenen. Bernhard Sinkel hat hieraus dankenswerterweise kein lustiges Kabinettstückchen mit einer schrägen Alten gemacht, im Gegenteil. Lina Carstens in der Hauptrolle spielt mit einer ruhigen Eleganz und Selbstverständlichkeit einen Menschen, der die Welt nicht mehr versteht, dass man sich augenblicklich auf sie einlassen muss. Aus heutiger Sicht wird außerdem – sehr interessant – bereits 1975 das Thema Integration und Fremdenfeindlichkeit sehr klug und auch wegweisend behandelt, und es wird (mittels eines positiven Beispiels) einmal mehr deutlich, seit wann wir spektakulär versagen, wenn es um ein konstruktives Miteinander geht.


Gleichwohl ist dies ein Unterhaltungsfilm, Herbert Bötticher etwa bringt einen Hauch Boulevard ins Spiel, Fritz Rasp als kauziger Komplize das Komödiantische und nein, es schadet nicht. Der Film ist nicht schwer, aber gewichtig. Er ist nicht altklug, aber weise. Er hält den Spiegel vor und bringt gleichzeitig Licht ins Dunkel. Das ist eine außergewöhnliche, absolut zeitlose und sehr sehenswerte Leistung. – Chapeau und in diesem Falle Dank an den Verleih!

cnm 

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