SIE GLAUBEN AN ENGEL, HERR DROWAK?

SIE GLAUBEN AN ENGEL, HERR DROWAK? ★★★½☆☆
Start: 19.02.2026 | FSK 12
Karl Markovics | © X Verleih



Deutschland, Schweiz 2025
Genre: ArtHaus, Dramödie
Länge: 128 Min.
Regie: Nicolas Steiner
Buch: Bettina Gundermann
Casting: Heta Mantscheff
Cast: Luna Wedler, Karl Markovics, Nikolai Gemel, Saga Sarkola, Lars Eidinger, Jan Bülow, Dominique Pinon, Bettina Stucky, Soraya Efe u.a.
Kamera/DoP: Markus Nestroy
Schnitt: Kaya Inn
Musik: Jan Miserre, John Gürtler

Die optimistische, lebensfrohe Studentin Lena, eingeschrieben für Germanistik und Puppenspiel, übernimmt im Auftrag des „Amtes für Ruhe und Ordnung“ einen Job als Schreibtherapeutin. Bei ihrem "Kurs" gibt es allerdings nur einen einzigen Teilnehmer: Hugo Drowak, einen einsamen, alten Misanthrop voller Hass, einen Alkoholiker, der sich inmitten seiner leeren Flaschen eingeigelt hat - und der wenig zugänglich zu sein scheint.
Doch Lena lässt sich davon nicht abschrecken, im Gegenteil. Ihr temperamentvoller Ehrgeiz weckt in Drowak völlig unerwartet sein literarisches Talent. Lena ist entzückt von seiner Poesie über Liebe und Magie. Und je tiefer Drowak in seine Erinnerungen eintaucht, desto stärker erwachen verdrängte Dämonen in ihm. Lena kämpft darum, Drowak vor sich selbst zu schützen und ihm zu helfen, wieder an das Gute im Leben zu glauben.

In unglaublich kunstvoll fotografierten (zumeist) Schwarz-weiß-Bildern – jede einzelne Einstellung könnte man sich groß an die Wand hängen – erzählt diese anarchische Kafkaeske vom Willen der Kunst im Kampf gegen die Willkür der Bürokratie. Wedler und Markovics stehen dabei im Zentrum als ungleiches Paar, getrieben von den äußeren Umständen und gefangen in einer Art innerem Knast (das betrifft ihn mehr als sie). Das kommt auf den ersten Blick recht artifiziell daher, ist jedoch zugleich auch existenziell, geht es doch um das psychische Üerleben eines vom System Abgehängten, moralisch Abgestürzten, wie er sich in unserer Gesellschaft tausendfach versteckt. Besonders amüsant hierbei die von Eidinger verkörperte, groteske Figur eines Amts-Schnösels! Das ist alles sehr theaterhaft überzeichnet und doch auch zutiefst menschlich zugleich. Ein gelegentlicher Wechsel zur Farbe ist gut begründet und macht dramaturgisch Sinn wie Eindruck.

Genervt hat mich ab einem bestimmten Punkt der Eindruck "Form vor Inhalt"; ich hätte mir ein zwingenderes Storytelling gewünscht, damit der Film wirklich reinhaut und bleibenden Eindruck hinterlässt. Allen visuell fokussierten Cineasten würde ich diese Arbeit allerdings dringend ans Herz legen.
So viel Kreativität erlebt man im Kino wirklich selten.

cnm 


Randnotiz: Luna Wedlers nachlässige Artikulation hat mich sehr geärgert. Ein Trend bei den jüngeren Schauspielenden, der mir schon seit längerem auffällt.

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