SOULEYMANS GESCHICHTE

SOULEYMANS GESCHICHTE ★★★★★★
Originaltitel: L'Histoire de Souleymane | Start: 19.02.2026 | FSK 12
Abou Sangaré | © Film Kino Text





Frankreich 2024
Genre: Drama
Länge: 93 Min.
Regie: Boris Lojkine
Buch: Boris Lojkine, Delphine Agut
Casting: Aline Dalbis
Cast: Abou Sangaré, Nina Meurisse, Alpha Oumar Sow, Emmanuel Yovanie, Younoussa Diallo, Ghislain Mahan, Mamadou Barry, Yaya Diallo, Keita Diallo u.a.
Kamera: Tristan Galand
Schnitt: Xavier Sirven

Nachdem der Geflüchtete Souleyman in Paris gelandet ist, hört der Stress für ihn lange nicht auf. Er muss binnen kurzer Zeit den Beweis erbringen, dass er den Aufenthalt und damit eine Arbeitserlaubnis tatsächlich verdient hat. Was folgt daraus? Er hat eine dramatische Geschichte auswendig zu lernen, die er dann glaubhaft vortragen muss – gleichzeitig schafft er etwas Geld ran, indem er als Fahrradkurier Essen ausfährt – schwarz natürlich, da die Arbeitserlaubnis noch nicht vorliegt: ein Teufelskreis. Bei aller Hektik muss er jeden Tag darauf achten, rechtzeitig am Bus zu sein, der ihn in die Notunterkunft bringt, und für eine Übernachtung dort hat er täglich telefonisch eine Anmeldung in aller Frühe vorzunehmen. Ein tougher Tagesablauf allein für das Recht, sicher zu leben.

Während sich der Mann nie beklagt, begegnet er einem zynischen System von Ausbeutern, die es allein auf den Nutzen abgesehen haben, den sie noch durch ihn gewinnen können. Ein Sahnehäubchen etwa ist, wenn ein Essen abgelehnt wird, weil die Papiertüte leicht beschädigt ist (Im Zuschauerraum möchte man auf die Leinwand losgehen). Souleyman bleiben noch zwei Tage bis zur Anhörung...

Was ich als Krimi empfinde, bezeichnet der Regisseur als modernen Western: das Pferd wird durchs Fahrrad und der Revolver durchs Handy ersetzt. Allerdings ist der "Held" hier vielmehr ohnmächtig und ausgeliefert als Aggressor oder Täter. Der Besetzungs-Coup: die Hauptrolle wurde mit Abou Sangaré von einem Mann übernommen, der Laie ist und selbst ohne Papiere lebt. Damit gelingt eine Mischform aus Doku und Spiel, die brennender nicht sein könnte. Wir sind ständig mit entfesselter Kamera ganz nah am Gehetzten, fahren mit ihm, fiebern, fallen und hoffen mit ihm. Kein Wunder, dass der Film mit Preisen überhäuft wurde*.

Souleymans Geschichte ist einer der seltenen engagierten Filme, die ein Plädoyer für Menschlichkeit in der Konsumgesellschaft anbringen. Laut und deutlich, packend, dabei nicht wehleidig. Wenn wir selbst dieses Balancieren auf einer Rasierklinge hautnah miterleben, besteht Hoffnung, dass wir uns selbst erkennen und uns für einen humaneren und großzügigeren Umgang mit Geflüchteten einsetzen.

Dies ist eine glänzende Leistung, denn sie verbindet packendes Kino mit unschätzbarem gesellschaftlichen Mehrwert. Wann, wie und wo immer Sie die Möglichkeit haben, den Film zu sehen: tun Sie es!

cnm 


*Festivals & Auszeichnungen:

Cannes 2024, Un Certain Regard
Bester Schauspieler (Abou Sangaré) Preis der Jury

Fipresci-Preis
2024 European Film Awards Bester Schauspieler (Abou Sangaré) Bester Ton

César Awards 2025
Bester Nachwuchsdarsteller: Abou Sangaré
Bester Schnitt (Xavier Sirven)
Bestes Originaldrehbuch (Boris Lojkine und Delphine Agut) Beste Nebendarstellerin (Nina Meurisse)

Gotham Awards New York 2025
Bester Nachwuchsdarsteller: Abou Sangaré

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