DIE SCHATZSUCHE IM BLAUMEISENTAL

DIE SCHATZSUCHE IM BLAUMEISENTAL ★★★★★
Originaltitel: Le Secret des Mésanges | Start: 26.03.2026 | FSK 0

© Luftkind Filmverleih



Frankreich, Belgien 2025

Genre: Kinderfilm, Abenteuer, Familie
Länge: 77 Min.
Regie: Antoine Lanciaux
Buch: Antoine Lanciaux, Pierre-Luc Granjon
Design Figuren: Sophie Roze
Design Hintergründe: Samuel Ribeyron
Kamera: Sara Sponga
Schnitt: Hervé Guichard
Musik: Didier Falk

Endlich Ferien! Die 9-jährige Lucie fährt allein aufs Land – zu ihrer Mutter Caro, die als Archäologin in ihrem Heimatdorf eine spannende Ausgrabung leitet. Doch zwischen Hügeln, Wäldern und einer echten Burgruine entdeckt Lucie mehr als nur frische Landluft und Vogelgezwitscher: Ein altes Familiengeheimnis wartet auf sie! Gemeinsam mit ihrem neuen Freund Yann, Zottelhund Mandrin, der frechen Gans Zerbinette und zwei plaudernden Blaumeisen stürzt sie sich kopfüber in ein aufregendes Abenteuer. Vom dunklen Burgkeller bis zu einem verlassenen Wohnwagen am Waldrand steckt ihre Schatzsuche voller Rätsel und Überraschungen.

Bei der Sichtung dieses Kinderfilms blieb mir spontan die Spucke weg: kleinteilig aus Papier geschnittene und zusammengelegte Figuren werden qua Stop-Motion zum Leben erweckt mittels mühsamster Handarbeit – altmodischer geht's nicht, berückende Optik! Die Bilder sind geschmackvoll, höchst lebendig in Farbe, Ausdruck und Perspektive (bewegte Hintergründe, perspektivische Verschiebungen), die Figuren sympathisch und vieldimensional in ihrer Ausdrucksweise, mit ihren kleinen und großen und kleinen – allzu menschlichen – Marotten, wie etwa einer Mutter, die zwar stets besorgt ist, aber hauptsächlich an ihren Job denkt und kaum zuhört. Zur Lebendigkeit dieses Films trägt auch die Vertonung bei, die (in der französischen Sync-Fassung*) stets den Raumklang berücksichtigt und zahllose Alltagsgeräusche wie Wind, Vögel, Insekten, Scheppern und Klappern von Alltagsgegenständen einbringt. Eine Leistung, die ich heute bei den meisten deutschen Synchronisationen schmerzlich vermisse.

Etliche Tiere sowohl im Zentrum der Geschichte (wie zwei wegweisende Blaumeisen, die immer wieder helfend auftauchen) oder als winzige, liebenswerte Nebenfiguren, und sei's für zwei Sekunden, versüßen den Genuss zusätzlich.

Tja, und auch die Geschichte hat viel zu bieten, nämlich das tagtägliche Geben und Nehmen, das Nachspüren auch gegen äußere (oder innere) Widerstände als lohnendes Moment, den Wert des Helfens auch den kleinen Lebewesen und das Überwinden von Vorurteilen gegenüber dem, was uns zunächst Angst macht... all das ergibt ein bisweilen (für Kids) aufregendes Paket an Abenteuern, die zu guter Letzt gleich mehrere Schätze bereithält und (auch bei Erwachsenen) für feuchte Augen sorgen könnte.

Der enorme Zeit- und Arbeitsaufwand für diesen Kinder-Langfilm hat sich absolut gelohnt. Der Film beweist, dass es keine schrillen Farben, Hektik auf ganzer Strecke und gräßliche Monster braucht, um etwas Bleibendes und wirklich Berührendes zu schaffen.
 
cnm


*Ich frage mich, warum in der deutschen Synchronfassung geschätzt fünfundzwanzigmal "genau" gesagt wird, als gäbe es zu dem Wort nicht viele schöne Alternativen. Das Wort "genau" hängt sowieso schon in der Erwachsenensprache wie ein nerviger Tic fest und wird für die Kinder mit einem solchen Synchronbuch nur weiter zementiert und fortgesetzt.

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