GOOD BOY – WIR WOLLEN NUR DEIN BESTES

GOOD BOY – WIR WOLLEN NUR DEIN BESTES ★★★☆☆☆
Originaltitel: The Good Boy | Start: 04.06.2026 | FSK 16
Andrea Riseborough, Kit Rakusen, Stephen Graham, Anson Boon | @ RPC Good Boy Limited & Skopia Film, Photograph: Lukasz Bakj, X Verleih




Polen, Großbritannien 2025
Genre: Drama
Länge: 110 Min.
Regie: Jan Komasa
Buch: Bartek Bartosik
Casting: Nina Gold, Martin Ware
Cast: Stephen Graham, Andrea Riseborough, Anson Boon, Kit Rakusen, Monika Frajczyk, Savannah Steyn, Mila Jankowska, Callum Booth-Ford u.a.
Kamera: Michal Dymek, PSC
Schnitt: Agnieszka Glińska, PSM
Musik: Abel Korzeniowski

Der 19-jährige Tommy genießt sein Leben zügellos und ungebändigt als Krimineller, treibt seine Freunde immer wieder zu grausamen Gewalttaten an und prahlt damit auf Social Media – bis er eines Nachts von einem Fremden entführt wird. Als Tommy erwacht, findet er sich angekettet im Keller eines abgelegenen Vorstadthauses wieder, in dem sein Entführer Chris mit seiner Frau Kathryn und ihrem Sohn Jonathan lebt. Die Familie setzt alles daran, Tommys unsoziales Verhalten zu „reformieren“ und unterzieht ihn zahlreichen psychologischen Spielchen, um aus ihm einen ihrer Meinung nach anständigen Jungen zu machen. Während Tommy sich mit allen Mitteln dagegen wehrt, wird er immer tiefer in die dysfunktionale Familiendynamik von Chris, Kathryn und Jonathan hineingezogen. Gleichzeitig konfrontiert ihn das Prozedere aber auch mit seinen eigenen Sehnsüchten. Und schleichend merkt er, dass seine Gefühle zwischen Hass und Sympathie, zwischen Fluchtreflex und dem Bedürfnis nach Nähe verschwimmen.

Auf der Hand liegt die Parallele zu Kubricks A Clockwork Orange (GB, USA 1971), in dem ebenfalls ein Gewalttäter zur Raison gebracht werden soll durch eine groteske Art von Konversionstherapie. Mit seinem brutal kontroversen Film hat uns Kubrick so elementare Fragen gestellt (wie frei ist der Mensch angesichts nicht zu kontrollierender Gewalt?) wie Antworten gegeben: bitter, zynisch, glasklar. – Hier kommt nun also eine Art Neuauflage des Themas vom begnadeten Regisseur Jan Komasa, der uns schon mit so brillanten Arbeiten wie Corpus Christi, The Hater (Serie) oder The Change beeindruckt hat. Über das filmische Niveau muss nicht gesprochen werden; Komasa beherrscht sein Handwerk und hat mit top Leuten vor und hinter der Kamera gearbeitet. Also: was sind seine Antworten?

Um nicht zu spoilern, beschreibe ich nur, wie es mir mit dem Film erging. Es hat mich förmlich zerrissen!
Einmal bedient sich Komasa deutlich weniger Perspektiven als Kubrick, also sind auch die angebotenen Antworten weniger vielschichtig. Zum Anderen unterbreitet er uns mit dem Ausgang seiner Erzählung möglicherweise einen Vorschlag zum gesellschaftlichen Umgang, der, wenn ich ihn richtig verstehe, in eine grundsätzlich andere Richtung geht als bei Kubrick und bei der alles in mir "nein!" schreit!

Gut daran wäre ja, dass ein solcher Film Kontroversen auslösen kann. Ich wäre dringend an Ihrer (!) Antwort, Ihrer Einschätzung interessiert, werte LeserInnen. Mögen Sie mir schreiben?

gregor-moenter@web.de, Betreff GOOD BOY. – Keine Sorge, Sie werden nicht in einen newsletter aufgenommen!

Ich würde, Ihre Erlaubnis vorausgesetzt, Ihre Meinung in Zitaten unter diesen Text stellen.
Die drei Sterne-Bewertung ist übrigens lediglich ein Ausdruck von Hilflosigkeit.
Um herauszufinden, wie wir uns selbst positionieren, ist Good Boy eigentlich schon so etwas wie
Pflichtprogramm...

cnm 

Kommentare

Beliebte Posts der letzten 30 Tage

THE ART OF LOVE

ONE BATTLE AFTER ANOTHER

22 BAHNEN

WAS AN EMPFINDSAMKEIT BLEIBT

GANZER HALBER BRUDER

GAUCHO GAUCHO

MIROIRS NO. 3

VIET UND NAM

ANDOR HIRSCH

MEMORY WARS