MEIN LEBEN, MEIN DING

MEIN LEBEN, MEIN DING ★★★½☆☆
Originaltitel: MA VIE MA GUEULE | Start: 18.06.2026 | FSK 12
Agnès Jaoui | © Christmas in July



Frankreich 2024
Genre: Tragikomödie
Länge: 99 Min.
Regie: Sophie Fillières
Buch: Sophie Fillières
Casting: Constance Demontoy
Cast: Agnès Jaoui, Angelina Woreth, Édouard Suplice, Valérie Donzelli, Laurent Capelluto, Emmanuel Salinger, Isabelle Candelier, Philippe Katerine
Kamera: Emanuelle Collinot
Schnitt: François Quiqueré
Musik: Philippe Katerine

Barberie Bichette, die man zu ihrem Leidwesen ‚Barbie‘ nennt, mag früher schön gewesen sein, eine gute Mutter, eine verlässliche Kollegin, bemerkenswerte Poetin, eine großartige Liebhaberin, ja, vielleicht... Aber das war einmal, nämlich bevor sie unausweichlich 55 wurde (also fast 60 und bald noch älter!). Jetzt erscheint ihr das Leben manchmal düster, heftig und absurd. Es macht ihr Angst. Aber wie soll sie daran etwas ändern, wenn sie immer noch nicht weiß, wer sie ist und was sie eigentlich will? Den Dingen des Lebens, die ihr allesamt irreal erscheinen, begegnet sie mit so etwas wie amüsierter Gleichgültigkeit. Weder zum Mann noch zu ihren Kindern hat sich noch nennenswerten Kontakt; man sieht sich, das ja, aber Einvernehmlichkeit ist da schon lange nicht mehr. Also zieht sich Barberie immer mehr in sich zurück, selbst dann, wenn ihr Freundlichkeit und Schönes begegnet.

Agnès Jaoui spielt ihre Rolle mit solcher Eindringlichkeit, dass man beim Zuschauen auf die eigene Verfassung Acht geben muss: ihr Fatalismus, ihre Hoffnungslosigkeit sind ansteckend! Doch gelingt es der Regisseurin, subtile Komik einzumischen (ohne die sich die geschilderte Situation wohl nicht aushalten ließe). Da gibt es Dialogpassagen, die man sich für's eigene Leben notieren möchte, um sie irgendwann einmal anzuwenden ("Geht es dir gut?" – "Das habe ich nie behauptet!").

Die ersten zwei Drittel des Films war ich dann auch neugierig, wohin diese stille Reise führen mag, ob es Hoffnung geben kann, für die Figur der Bichette und für uns als Zuschauende, ob es einen Ausweg aus dieser Depression gibt. Doch was so faszinierend und vielversprechend beginnt, mäandert in derart unbestimmte Bahnen, dass das Drehbuch dem losen Blättern in einem Tagebuch gleicht und mir bei aller Sympathie und allem guten Willen allmählich das Interesse an der Story flöten geht. Zwar ist Mein Leben, mein Ding sehenswert, doch vielmehr als psychologische Studie, als Ballade, als wehmütige Betrachtung eines Zustandes, nicht so sehr als stringente Geschichte.

Immerhin hat uns Sophie Fillières (geb. 1964), die krankheitsbedingt die Dreharbeiten zwar abschließen, doch nach ihrem Tod nicht fertigstellen konnte (das übernahmen ihre Kinder), eine berührende Étude über spätes Verlorensein und das Glück unverhoffter, liebevoller Begegnungen hinterlassen. Das allein ist schon etwas so Seltenes wie Wertvolles.

cnm 

Querverweis auf Sue – Eine Frau in New York (USA 1997, R.: Amos Kollek)

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