MEIN LEBEN, MEIN DING
Länge: 99 Min.
Buch: Sophie Fillières
Casting: Constance Demontoy
Kamera: Emanuelle Collinot
Schnitt: François Quiqueré
Musik: Philippe Katerine
Barberie Bichette, die man zu ihrem Leidwesen ‚Barbie‘ nennt, mag früher schön gewesen sein, eine gute Mutter, eine verlässliche Kollegin, bemerkenswerte Poetin, eine großartige Liebhaberin, ja, vielleicht... Aber das war einmal, nämlich bevor sie unausweichlich 55 wurde (also fast 60 und bald noch älter!). Jetzt erscheint ihr das Leben manchmal düster, heftig und absurd. Es macht ihr Angst. Aber wie soll sie daran etwas ändern, wenn sie immer noch nicht weiß, wer sie ist und was sie eigentlich will? Den Dingen des Lebens, die ihr allesamt irreal erscheinen, begegnet sie mit so etwas wie amüsierter Gleichgültigkeit. Weder zum Mann noch zu ihren Kindern hat sich noch nennenswerten Kontakt; man sieht sich, das ja, aber Einvernehmlichkeit ist da schon lange nicht mehr. Also zieht sich Barberie immer mehr in sich zurück, selbst dann, wenn ihr Freundlichkeit und Schönes begegnet.
Die ersten zwei Drittel des Films war ich dann auch neugierig, wohin diese stille Reise führen mag, ob es Hoffnung geben kann, für die Figur der Bichette und für uns als Zuschauende, ob es einen Ausweg aus dieser Depression gibt. Doch was so faszinierend und vielversprechend beginnt, mäandert in derart unbestimmte Bahnen, dass das Drehbuch dem losen Blättern in einem Tagebuch gleicht und mir bei aller Sympathie und allem guten Willen allmählich das Interesse an der Story flöten geht. Zwar ist Mein Leben, mein Ding sehenswert, doch vielmehr als psychologische Studie, als Ballade, als wehmütige Betrachtung eines Zustandes, nicht so sehr als stringente Geschichte.
cnm
Querverweis auf Sue – Eine Frau in New York (USA 1997, R.: Amos Kollek)

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