TRULY NAKED

TRULY NAKED ★★★☆☆
Start: 11.06.2026 | FSK 16
Caolán O'Gorman, Alessa Savage | © Myrthe Mosterman



Niederlande, Belgien, Frankreich 2026
Genre: Coming of Age, Drama, Liebe, Sex
Länge: 102 Min.
Regie: Muriel d'Ansembourg
Buch: Muriel d'Ansembourg
Casting: Georgia Topley
Cast: Caolán O'Gorman, Andrew Howard, Safiya Benaddi, Alessa Savage, Lyndsey Marshal, Kate Kennedy, Hana Hrzic, Cameron James-King
Kamera: Myrthe Mosterman
Schnitt: Emiel Nuninga
Musik: Evgueni Galperine, Sacha Galperine

Nach dem Tod der Mutter sind Vater und Sohn – Dylan und Teenager Alec – noch mehr zusammengeschweißt. Sie ziehen, um Geld zu sparen, von London in eine kleine Küstenstadt, wo Alec eine neue Schule besucht und sie beide das fortführen, was sie am besten können: Pornos produzieren. Der Sohn hinter der Kamera, der Vater davor, die angereisten Darstellerinnen gehören ganz offensichtlich zur Wahlfamilie, so vertraut ist der Umgang. Alec wirkt während der Dreharbeiten so gelassen, als filme / fotografiere er Haustiere oder Modeschmuck. Als er wegen eines Schulprojekts mehr Zeit mit der emanzipierten Mitschülerin Nina zu verbringen hat, verlieben sich die beiden schnell ineinander. Auf diesem Terrain kennt er sich nicht aus, wird quasi zum kleinen Jungen, der noch viel zu lernen hat jenseits überholter und unrealistischer Erotikfantasien.

Was ist Liebe, was ist Sex? In welchem Verhältnis stehen beide Aspekte des Lebens? Die Antworten hierauf sind stets diskutiert und immer individuell. Selten richtet ein Film, so wie hier, den Fokus auf das Pornogeschäft, konkret die Produktion, die daran Beteiligten und die Frage, was der Beruf mit ihnen macht. Und wenn sich ein Film mit den Fragen beschäftigt, droht immer die Gefahr, in schlimme Klischees abzurutschen. Davon ist Truly Naked weit entfernt! Im Gegenteil: auch die weiblichen Nebenfiguren haben hier viel Erhellendes zu sagen über dein weiblichen Blickwinkel aufs Geschäft, während "der Mann" scheinbar das Sagen hat, aber bei genauem Hinsehen erbärmlich ist in seinem stetigen Bemühen, wortwörtlich als "der Größte" dazustehen.

Die Aussagen über den männlichen Blick auf weibliche Sexualität – oder besser: über weibliche Selbstbestimmung in einer patriarchalen Gesellschaft gelingen hier glasklar und ausgesprochen entlarvend; die Produzierenden fungieren m.E. stellvertretend für die männlichen Konsumenten und haben tatsächlich keine Ahnung a) von "echtem" Sex und b) von dem, was für Frauen entscheidend für ihre Lust ist (kein Wunder: Porno ist für Männer). Auch wird sehr klar, dass es kaum Schnittmengen oder Berührungspunkte zwischen "der Welt da draußen" und dem Inner Circle Porno Produzierender geben kann. Regisseurin Muriel d'Ansembourg löst mit ihrem Konstrukt diese Grenze für einen entscheidenden Moment geschickt auf.

Hier kommt das sich verliebende, junge Paar ins Spiel. Sie sieht ihn, begehrt ihn und erkennt auch bald: der junge Mann muss, was Intimität angeht, bei null anfangen. Und sie ist dann auch gewissermaßen seine Lehrerin – mit großem Herz und erstaunlicher Großzügigkeit. Und auch diese Szenen erweisen sich alles Andere als quasi-pornografisch. Mit diesem Kapitel – also im letzen Drittel des Films – wird der Film m.E. eher ein Film fürs jüngere Publikum, wirkt auf mich allzu sehr wie ein Tutorial: was ist "richtiger" Sex, worauf muss der Mann achten und warum, die Erklärungen sind so 1:1 expressis verbis erklärt, dass die vielversprechende Lässigkeit der ersten Filmstunde nahezu gänzlich verloren geht.

Truly Naked – vielsagender Titel – richtet unseren Blick auf echte Nacktheit, und das ist nicht zwingend die, bei der wir keine Kleidung tragen. Für echte Nacktheit. braucht es die Courage, sich echt zu zeigen und einander zu vertrauen. – Sehenswert vor allem für mittlere bis späte Adoleszente.

cnm 

Kommentare

Beliebte Posts der letzten 30 Tage

THE ART OF LOVE

WAS AN EMPFINDSAMKEIT BLEIBT

ONE BATTLE AFTER ANOTHER

22 BAHNEN

GANZER HALBER BRUDER

ANDOR HIRSCH

THE SMASHING MACHINE

THE FIRST PURGE

MIROIRS NO. 3

SUBMISSION