DIE ODYSSEE
DIE ODYSSEE ★★★★★½
Originaltitel: THE ODYSSEY | Start: 16.07.2026 | FSK 16
USA 2026
Genre: Mythologie, Epos, ActionLänge: 172 Min. (langer Film)
Regie: Christopher Nolan
Buch: Christopher Nolan
Casting: John Papsidera
Buch: Christopher Nolan
Casting: John Papsidera
Cast: Matt Damon, Tom Holland, Anne Hathaway, Robert Pattinson, Lupita Nyong'o, Zendaya, Charlize Theron, Benny Safdie, Jon Bernthal, John Leguizamo, Himesh Patel, Mia Goth, Will Yun Lee, Jimmy González, Elliot Page, Bill Irwin, u.a.
Kamera: Hoyte van Hoytema
Schnitt: Jennifer Lame
Musik: Ludwig Göransson
Kamera: Hoyte van Hoytema
Schnitt: Jennifer Lame
Musik: Ludwig Göransson
Homers epische Saga Odyssee, verfasst im 8. oder 7. Jhd. v. Chr., beschäftigt und fasziniert seit Menschengedenken Lesende, Dichtende, Denkende und – seit 100 Jahren – die Literatur und Filmindustrie. Das Epos wurde x-fach verfilmt und hat nie an Faszination eingebüßt, vereint es doch wildeste, märchenhafte Abenteuer mit universellen Themen wie Verlust und Trauer, Identität bzw. Integrität, Mut und Gemeinschaft und – über allem stehend – Sehnsucht nach Heim und Familie.
Odysseus, König der griechischen Insel Ithaka, will nach dem Ende des zehn Jahre währenden Trojanischen Krieges heimkehren. Bald müsste er seine Frau wieder in die Arme schließen können. Doch aus der geplanten Rückreise wird eine jahrelange Irrfahrt über das Meer. Vor allem der Zorn des Meeresgottes Poseidon schwächt die Hoffnung auf eine Rückkehr nach Ithaka und zwingt Odysseus immer wieder aufs Neue zu Umwegen. Auf seiner Reise begegnet er dem gefürchteten Zyklopen Polyphem, gerät auf die Insel der Zauberin Kirke, muss sich den verführerischen Gesängen der Sirenen stellen und wird schließlich von der Nymphe Kalypso über Jahre hinweg getäuscht und aufgehalten. Jede dieser Begegnungen stellt ihn vor eine neue Prüfung - mal körperlich, mal geistig – und oft auch moralisch.
Die Verfilmungen der Odyssee versprachen schon immer Abenteuer und spannende Unterhaltung mit faszinierenden Schauwerten. Nolan, der für seine abstrusen Konstruktionen, in denen er meist Zeit und Raum "verbiegt", bekannt ist, überrascht mit dieser Inszenierung unerwartet. Tatsächlich liegt sein Fokus auf dem Erzählerischen, zeichnet sich die Inszenierung durch Zurückhaltung aus! Die Bilder sind zumeist ausgesprochen karg ausgeleuchtet (diese Dunkelheit war mir recht anstrengend), die Kamera liefert solide aber nicht spektakulär ab, dafür glänzt die Regie, glänzen sämtliche SchauspielerInnen, allen voran Damon (den ich so noch nie erlebt habe!) und Hathaway (elegant, diskret, durchdringend emotional). Rein formal hätte mir ein ruhigerer Schnittrhythmus in den ersten 15 Minuten des Films sowie mehr Totalen und Supertotalen über die gesamte Strecke besser gefallen, weil beides der großen Leinwand eher gerecht geworden wäre. Göranssons Score ist allerdings eine Entdeckung: ein langmütiger, meditativer Strom aus nur wenigen Noten, gespielt auf Holzflöten, unter Kampfszenen gelegt – man glaubt's kaum, aber das hat etwas Hypnotisches!
Dramaturgisch moderat in der Zeitschiene springend doch immer nachvollziehbar, emotional eher melancholisch (bis depressiv), haben wir es insgesamt mit einem Film zu tun, der die Geschichte trotz seiner (gebotenen) Schauwerte – wie etwa der Begegnung mit dem Zyklopen – ruhig und nachdenklich erzählt, der größten Wert auf Introspektiven legt. Das bringt mich zu der Vermutung, dass diese neueste Verfilmung zwar eine aus den gewohnten Erzählformen herausstechende ist, aber kein Blockbuster für das ganz große Publikum. Der Film wird eher die Geister scheiden, je nach Erwartung an einen Unterhaltungsfilm, je nach künstlerischen und intellektuellen Erwartungen.
Dramaturgisch moderat in der Zeitschiene springend doch immer nachvollziehbar, emotional eher melancholisch (bis depressiv), haben wir es insgesamt mit einem Film zu tun, der die Geschichte trotz seiner (gebotenen) Schauwerte – wie etwa der Begegnung mit dem Zyklopen – ruhig und nachdenklich erzählt, der größten Wert auf Introspektiven legt. Das bringt mich zu der Vermutung, dass diese neueste Verfilmung zwar eine aus den gewohnten Erzählformen herausstechende ist, aber kein Blockbuster für das ganz große Publikum. Der Film wird eher die Geister scheiden, je nach Erwartung an einen Unterhaltungsfilm, je nach künstlerischen und intellektuellen Erwartungen.
Abschließend noch eine persönliche Notiz: ich möchte allen, die gegen die Besetzung wettern, weil ihnen Trans-Menschen oder erstmals mit Schwarzen besetzte Rollen gegen den Strich gehen, den Vogel zeigen. Wir leben mitten im 21. Jahrhundert. Maßstäbe haben sich verändert, individuelle Freiheit, Feminismus, queere Rechte, die Präsenz von POC im Film sind nach wie vor keine Selbstverständlichkeit, und dem soll Rechnung getragen werden dürfen.
Die Odyssee von Nolan ist vieles. Aber eines gewiss nicht: Durchschnitt, Standard, Redundanz. Er bereichert den Kanon von Verfilmungen maßgeblich.
Die Odyssee von Nolan ist vieles. Aber eines gewiss nicht: Durchschnitt, Standard, Redundanz. Er bereichert den Kanon von Verfilmungen maßgeblich.
cnm

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