WAS HABEN WIR GELACHT

WAS HABEN WIR GELACHT
Start: 16.07.2026 | FSK 12
© Port au Prince



Deutschland 2026
Genre: Dokumentarfilm
Länge: 98 Min.
Regie: Eva Müller, Isabel Schneider
Buch: Eva Müller, Isabel Schneider
Mit: Maren Kroymann, Hella von Sinnen, Esther Schweins, Bettina Böttinger und Gaby Köster
Kamera: Thomas Lütz
Schnitt: Yana Höhnerbach
Musik: hackedepicciotto: Danielle de Picciotto, Alexander Hacke

Fünf der in den 90ern und 00er Jahren prägenden deutschen Comediennes – Maren Kroymann, Hella von Sinnen, Gaby Köster, Bettina Böttinger und Esther Schweins – stellen sich hier in Interviews der Frage, wie es war, in diesem Zeitfenster als Frau in einer komplett von Männern dominierten Fernsehunterhaltung zu arbeiten. Ihre Erinnerungen, Beobachtungen und Reflexionen sind eher nicht zum Lachen! Denn diese Zeiten gehörten noch wie selbstverständlich den Männern. Männer wie Harald Schmidt, Rudi Carrell, Thomas Gottschalk oder Stefan Raab hatten das Sagen, bestimmten den Konsens, über was gelacht wurde. Zielscheibe waren vornehmlich Frauen. Männer befummelten Frauen vor Publikum, sie gaben sich zuvorkommend, machten sich dabei aber auch offen lustig über sie.

Im Hintergrund das Damoklesschwert: "Willst du den Job oder nicht? Dann sei nicht so vorlaut, sei einfach hübsch und laufe ein bisschen hin und her". Diverse Ausschnitte aus alten Unterhaltungsformaten zeigen diese männliche Dominanz und Übergriffigkeit eindeutig. Was Sie übrigens auf YouTube finden können, ist der wohlanständige und unbescholtene Robert Lembke in seiner beliebten Sendung Was bin ich?, in der selbst er Frauen auf schäbige Weise auf ihr Äußeres, auf ihre Verfügbarkeit und ähnliches mehr anspricht – ganz nonchalant, versteht sich. Sexismus ist etabliert seit Generationen!

Und es gibt kein Vertun: Humor bestimmt das gesellschaftliche Klima, und wer medial dominant die Deutungshoheit über das hat, über was gelacht wird (und werden darf), übt Macht aus und prägt auch das politische Klima. Aktuelles Beispiel: der ARD Vorzeige-Kabarettist Dieter Nuhr bewies jüngst, dass der Wind wieder in dieselbe Richtung weht wie damals. In seiner Sendung sagt er (stark gekürzt), dass um die 350 Frauenmorde im Jahr relativ gesehen praktisch null seien und er empfehle, vor dem Geschlechtsverkehr den Partner einfach erstmal kennen zu lernen. Das Publikum lachte!
Mehr Häme geht nicht, mehr Rückschrittlichkeit und Perversion im Blick auf Frauen geht auch nicht. Die Sendeanstalt stellt sich hinter Nuhr und verlautbart etwas von "Freiheit der Kunst".

Hier erkennen wir eine gefährliche Zeitenwende. Der Shitstorm gegen Nuhr ist immerhin groß, und ich hoffe inständig, dass der Mann abgesägt wird (link zur Petition unten). – Die zweijährige intensive Recherche von Eva Müller und Isabel Schneider hat sich jedenfalls gelohnt; ihre Doku ist probates Instrument, einen Fokus bzw. die Diskussion darauf zu richten, wie es heute um die Geschlechtergleichstellung in der Unterhaltung steht.

Wenn es uns schlecht geht, müssen wir lachen, um besser durch den Tag zu kommen. Die Frage ist nur: worüber – und auf wessen Kosten?

cnm 

Kommentare

Beliebte Posts der letzten 30 Tage

FLUSS

LINA BRAAKE

DAS GEWICHT DER WELT

DOLLY

COTTON QUEEN

ELLBOGEN

TOMMY TOM – EIN NEUER FREUND FÜR TOMMY TOM

ANDOR HIRSCH

BETTER MAN - DIE ROBBIE WILLIAMS STORY

NICHT OHNE MEINE TIERE