PANDORAS VERMÄCHTNIS

PANDORAS VERMÄCHTNIS ★★★☆☆☆
Start: 03.04.2025 | FSK -
Trude und GW Pabst, Pabst mit Sohn | © Karsten de Riese

Österreich 2024
Genre: Dokumentarfilm, Filmgeschichte
Länge: 89 Min.
Regie: Angela Christlieb
Mit: Daniel Pabst, Marion Jaros (geb. Pabst), Ben Pabst, Heidi Pabst, Karsten de Riese, Anton Fürst, Chris Janka
Stimmen: Maresi Rieger, Ernst A. Grandits
Kamera: Max Berner, Martin Putz
Schnitt: Angela Christlieb, Sebastian Schreiner
Musik: Daniel Pabst, Martin Siewert

Georg Wilhelm (GW) Pabst gehörte zu den wenigen prägenden Filmschaffenden vor hundert Jahren, also der Weimarer Republik. Anders als Lubitsch kam er zu spät auf die Idee, Europa zu verlassen, was ihm dann auch nicht gelang. - Durch seine visionäre Filmsprache erlangte er ab Mitte der 1920er Jahre internationales Ansehen. Seine Frau Trude, die am liebsten Schauspielerin werden wollte, drängte er an den Rand bzw. in den Hintergrund; eine Karriere vor der Kamera sollte es für sie nicht geben. Stattdessen durfte sie seine Inspirationsquelle sein, ihn (oft aus der Ferne mit intensivem Briefverkehr) lieben, auf ihn warten. Bereits vor etwa hundert Jahren entstanden auf der Leinwand - und das war sicher dem Einfluss der Ehefrau zu verdanken - Frauenbilder, die sich auf vielfältige Art dem konservativen Klischee der angepassten, dienenden Frau widersetzten. Was im Leben nicht sein durfte, fand auf der Leinwand statt.

Dokumentaristin Christlieb dröselt die Geschichte der Familie Pabst, die geprägt ist von Gefühlskälte und Abwesenheit, von patriarchaler Dominanz, aber auch von Sehnsucht und Verlangen (der Schriftwechsel zwischen den Verheirateten war ausgesprochen intensiv) mittels historischer Dokumente und langen Interviewsequenzen mit den noch lebenden Nachkommen auf (oft unterhalten sie sich miteinander). Sie verwebt dabei ungezählte aus dem Off vorgelesene Notizen und Briefe Trudes, in denen diese ihre Gefühle und Träume detailreich schildert, mit Filmbildern nicht nur aus der alten Zeit, sondern auch mit heutigen Aufnahmen, was bisweilen einen komischen Effekt ergibt, legt es doch nahe, wie rasch sich Geschichte wiederholen kann und wie verbunden wir mit (unserer) Geschichte sind.

Auch recht ausführlich - und das ist ungewöhnlich - erfahren wir vom heutigen Wirken der Enkelkinder Marion (Schmetterlingszüchterin und Umweltaktivistin), Daniel (Künstler, Kunstsammler, Komponist) und Ben (Paläontologe). Diese vermeintlichen Nebenaspekte bereichern die Doku. Mir persönlich fehlte jedoch eine Art einladender Verdichtung etwa mittels Einblendung von Zeit, Namen und Verwandtschaftsverhältnissen oder eine Verknappung des Gesagten durch gelegentliche Off-Kommentare. Obwohl nur 89 Minuten lang, verliert die Doku dadurch leider an Spannung und Zug, wird mir zu "gemütlich".

Pandoras Vermächtnis bietet dessen ungeachtet für alle filmhistorisch und anthropologisch Interessierten in jedem Falle sehenswerte Einblicke.

cnm 

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