BAD APPLES

BAD APPLES ★★★★½☆
Start: 10.09.2026 | FSK 16
Nia Brown, Saoirse Ronan | © Paramount Pictures



Großbritannien 2025
Genre: Satire, Dramedy
Länge: 101 Min.
Format: 1,85:1
Regie: Jonatan Etzler
Buch: Jess O'Kane
basierend auf: Rasmus Lindgren (Roman "De Oönskade", übers.: Die Unerwünschten)
Casting: Fiona Weir
Cast: Saoirse Ronan, Eddie Waller, Jacob Anderson, Robert Emms, Sean Gilder, Jack Ashton, Rakie Ayola, Kerry Howard u.a.
Kamera: Nea Asphäll
Schnitt: Robert Krantz
Musik: Chris Roe

Es ist wohl inzwischen Alltag, dass für Lehrkräfte eine Hauptaufgabe darin besteht, die Klasse ruhig und lernbereit aufzustellen, also ihre ungeteilte Aufmerksamkeit zu erfahren. Für Maria ist diese Aufgabe schier unmöglich zu bewältigen, denn sie hat einen sogenannten Systemsprenger in ihrer Klasse: Danny tobt, zerstört, beschimpft andere und greift sie sogar an. Mittlerweile ist das Phänomen zwar bekannt, aber nach wie vor für alle Betroffenen – so auch für Maria – die komplette Überforderung. Aberwitzige Umstände führen dazu, dass sie den Schüler mit nach Hause nehmen und ihn dort in einem Kellerraum einsperren wird. Das alles war keineswegs geplant!

Aber nun ist es so. Danny wird also vermisst und die Lehrerin befindet sich quasi in einer Schockstarre angesichts ihres Dilemmas. Ließe sie den Jungen frei, würde er reden. Also wartet sie erst einmal ab. Und eigentlich ist es keine Überraschung, dass sich das Klima in der Klasse und auch seitens der bis dahin sehr unzufriedenen Eltern merklich entspannt. Nur, wo soll das hinführen? Selbst Dannys Vater macht vorerst keinen Aufstand (was natürlich absolut bezeichnend ist). Als die kleine Streberin Pauline Maria langsam auf die Schliche kommt, spitzt sich der Konflikt zu – und mündet ins Groteske.

Ich bin wirklich froh und dankbar, dass ein Film sich nicht nur erneut dieses wichtigen Themas annimmt, sondern dass hier der Mut aufgebracht wird, ihm beißend satirisch zu begegnen. Was anfangs noch realistisch daherkommt, entwickelt sich als entlarvende Überhöhung gesellschaftlicher Befindlichkeiten – nach dem Motto: was passierte, würde man einige Gedanken, die eigentlich niemals ausgesprochen werden, wahr werden lassen? Es ist diese unverschämte Kombination aus Realismus und Sarksmus, die Bad Apples so köstlich wie tiefgründig macht. Star Saoirse Ronan entspricht dem Konzept optimal, indem sie naturalistisch (eine Verzweifelte) spielt und nicht ins Komödiantische geht. Das gilt für die gesamte – sehr gelungene – Inszenierung. Es drängt sich m.E. ein Vergleich zu Good Boy – Wir wollen nur dein Bestes auf, den ich in seiner Grundaussage hoch problematisch fand. Hier ist das anders, denn der Humor hilft, über eigene gedankliche Schranken a) hinwegzukommen und sie b) kritisch zu durchleuchten.

Bad Apples ist ein Film für integre und für wankelmütige LehrerInnen, für vermeintlich souveräne und überforderte Eltern, für gute und schwache SchülerInnen, für Alte und für Junge, für Friedliebende und Aufmüpfige, für Pädagogen und Psychologinnen... Er ist schlicht ein lohnender Film für alle! – Mit Überzeugung empfohlen.

cnm 










Querverweis auf  GOOD BOY – WIR WOLLEN NUR DEIN BESTES

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