JOKER
- Ein Grinsen in Moll -
JOKER ★★★☆☆☆
Start: 10.10.2019 | FSK 16
Start: 10.10.2019 | FSK 16
Genre: Drama, Comicverfilmung
Länge: gut 120 Min.
Länge: gut 120 Min.
Regie: Todd Phillips
Buch: Todd Phillips, Scott Silver
Buch: Todd Phillips, Scott Silver
Darsteller: Joaquin Phoenix, Robert De Niro, Zazie Beetz, Frances Conroy, Brett Cullen, Glenn Fleshler, Bill Camp, Shea Whigham, Marc Maron, Douglas Hodge, Josh Pais, Leigh Gill u.a.
Kamera: Lawrence Sher
Schnitt: Jeff Groth
MakeUp Supervisor: Nicki Ledermann
Musik: Hildur Gudnadóttir
Meine Einwände:
All die genannten Vorzüge von Joker geraten meines Erachtens zum eitlen Selbstzweck, zur Zurschaustellung der Stilmittel und einer beinahe erstarrten Pose. Schöne Bilder machen noch keinen guten Film. Schauspielerische Einzelleistungen machen ebensowenig einen guten Film. Die goßen Stärken des Films geraten damit zu seiner größten Falle: recht früh stumpft man ab an der gleichförmigen Wiederholung Phoenix' irren Lachens oder seiner entrückten Tänzchen zuhause und in den Straßen, an den vielen Grausamkeiten, die er einstecken muss... man schaltet im Kinosessel auf Autopilot und bleibt auf innerer Distanz.
Kontraste und eine Entwicklung hätte es gebraucht, die eine solche Geschichte spannend gemacht hätten! Mehr Story statt Posing! Ein wenig Licht als Kontrast zum Schatten! Bereits die erste Szene stellt atmosphärisch einen Climax dar. Dunkel, dunkler am dunkelsten? Schwarz ist nicht steigerbar! Das ist m.E. dramaturgisch ein entscheidendes Versäumnis, und höchst bedauerlich angesichts des unglaublichen Potenzials dieses Projekts.
Ein formal spektakulärer Ausnahmefilm, der m.E. am Fokus auf seine Schauwerte scheitert, weil dramaturgische und erzählerische Aspekte zu sehr vernachlässigt wurden. Formal sehenswert, episch jedoch verschenkt.
Kamera: Lawrence Sher
Schnitt: Jeff Groth
MakeUp Supervisor: Nicki Ledermann
Musik: Hildur Gudnadóttir
Arthur Fleck lebt und arbeitet in Gotham City. Wobei... "leben und arbeiten" kann man das kaum nennen: zuhause kümmert er sich um seine lethargische Mutter, und wenn er auf Straßen und in Kinderkrankenstationen als Clown unterwegs ist, begegnen ihm in dichter Folge Demütigung, Gewalt und Missgeschicke. Freunde gibt es selbstredend keine, und eine letzte Anlaufstelle - das wöchentliche Gespräch mit seiner Sozialarbeiterin, die ihm auch seine Psychopharmaka verschreibt - geht auf Grund von Etatkürzungen auch noch verloren. Sein großer Traum: eine Karriere als Comedian, inclusive eines Auftritts in seiner favorisierten TV-Show bei der Host-Legende Murray Franklin. Nicht zuletzt Arthurs grässlicher Tick, oft wie aus dem Nichts in aller Öffentlichkeit langanhaltend und gequält zu lachen, verschlimmert seine Situation rapide. Kein Wunder, dass Arthur eines Tages final die Kontrolle verliert.
Zu den Vorzügen dieses Films:
Die Optik von Joker erinnert an die Spätsiebziger in der Auswahl der Brennweiten und der Lichtsetzung (man denke an Einer flog über das Kuckucksnest) - in dieser Stilsicherheit ist das das reine visuelle Vergnügen. Auch schauspielerisch ist diese Arbeit brillant: jede Rolle auf den Punkt besetzt und gespielt, allen voran deNiro, bei dem der selbstgefällige Showmaster wie auf den Leib geschneidert wirkt, Frances Conroy als kaum noch anwesende, instabile Mutter und, natürlich, Phoenix als endverzweifelte Seele, die kaum noch die Kraft aufbringt, dem grausamen Scheiß, der "da draußen" lauert, mit einem Lächeln zu begegnen - wie seine Mutter es ihn gelehrt hat. Erstaunlich eindringlich spielt er die innere Befreiung und Sichtbarwerdung als Person nach einer Gräueltat, das ist wirklich Oscar-reif.
Die Optik von Joker erinnert an die Spätsiebziger in der Auswahl der Brennweiten und der Lichtsetzung (man denke an Einer flog über das Kuckucksnest) - in dieser Stilsicherheit ist das das reine visuelle Vergnügen. Auch schauspielerisch ist diese Arbeit brillant: jede Rolle auf den Punkt besetzt und gespielt, allen voran deNiro, bei dem der selbstgefällige Showmaster wie auf den Leib geschneidert wirkt, Frances Conroy als kaum noch anwesende, instabile Mutter und, natürlich, Phoenix als endverzweifelte Seele, die kaum noch die Kraft aufbringt, dem grausamen Scheiß, der "da draußen" lauert, mit einem Lächeln zu begegnen - wie seine Mutter es ihn gelehrt hat. Erstaunlich eindringlich spielt er die innere Befreiung und Sichtbarwerdung als Person nach einer Gräueltat, das ist wirklich Oscar-reif.
Meine Einwände:
All die genannten Vorzüge von Joker geraten meines Erachtens zum eitlen Selbstzweck, zur Zurschaustellung der Stilmittel und einer beinahe erstarrten Pose. Schöne Bilder machen noch keinen guten Film. Schauspielerische Einzelleistungen machen ebensowenig einen guten Film. Die goßen Stärken des Films geraten damit zu seiner größten Falle: recht früh stumpft man ab an der gleichförmigen Wiederholung Phoenix' irren Lachens oder seiner entrückten Tänzchen zuhause und in den Straßen, an den vielen Grausamkeiten, die er einstecken muss... man schaltet im Kinosessel auf Autopilot und bleibt auf innerer Distanz.
Kontraste und eine Entwicklung hätte es gebraucht, die eine solche Geschichte spannend gemacht hätten! Mehr Story statt Posing! Ein wenig Licht als Kontrast zum Schatten! Bereits die erste Szene stellt atmosphärisch einen Climax dar. Dunkel, dunkler am dunkelsten? Schwarz ist nicht steigerbar! Das ist m.E. dramaturgisch ein entscheidendes Versäumnis, und höchst bedauerlich angesichts des unglaublichen Potenzials dieses Projekts.
Ein formal spektakulärer Ausnahmefilm, der m.E. am Fokus auf seine Schauwerte scheitert, weil dramaturgische und erzählerische Aspekte zu sehr vernachlässigt wurden. Formal sehenswert, episch jedoch verschenkt.
cnm
Oscars gab's für den besten Hauptdarsteller und die beste Filmmusik
Oscars gab's für den besten Hauptdarsteller und die beste Filmmusik
Die für Warner-Filme zuständige Agentur lädt mich seit Jahren nicht zu den Pressevorführungen ein, macht mir kein Bild- und Textmaterial zugänglich und antwortet nicht auf diesbezügliche freundliche Nachfragen - im Gegensatz zu dutzenden von anderen Agenturen und Verleihen landesweit, die ich allesamt als zuvorkommend, zuverlässig und großzügig erlebe.
A
stylistically exceptional movie, whose focus on aesthetics and neglect
of narration and dramaturgic composition ultimately causes its own
defeat. Aesthetically pleasing but wasted on an epical level.
cnm/marik
ENGLISH VERSION
Translated by Marie Kaufmann, Berlin
A Minor Grin
Translated by Marie Kaufmann, Berlin
A Minor Grin
Arthur
Fleck lives and works in Gotham City. Although... it can hardly be
called that as at home he cares for his lethargic mother and whenever he
works as a clown on the streets or in hospital's pediatric wards, he
encounters nothing but humiliation, violence and misfortune. Naturally,
his life is miserable and even his last refuge – a weekly conversation
with the social worker that prescribes his drugs – is lost to budget
cuts. His big dream is a career in comedy, including a gig with
legendary host Murray Franklin on his favorite TV show. Not least his
dreadful quirk of manic ongoing laughter rapidly worsens his situation.
It therefore is little surprising that one day he should finally lose
control.
Pros:
With the film's choices in focal distance and photocomposition, Joker's visuals are reminiscent of the 1970s (One Flew Over the Cuckoo's Nest
comes to mind) – this stylistic command offers a visual feist. But also
in terms of acting this piece is brilliant as the casting of each role
is on point. Especially deNiro's, whose role of self-important
show-master seems made for him; Frances Conroy's unstable, barely
present mother and - of course – Phoenix as a desperate soul that can
barely muster up the strength to meet that insufferable shit thats
waiting „out there“ with a wide grin – like his mother taught him. His
astoundingly haunting portrayal of inner liberation and emergence of
personhood after a gruesome act really is Oscar-worthy.
Cons:
Unfortunately,
all aforementioned positives serve as nothing more than
self-perpetuating indulgence, meaningless stylistic ostentation and an
almost completely frozen pose. Beautiful shots alone don't make for a
good film. Neither do the excellent individual performances of its
actors. The movie's strengths therefore become its own downfall as the
viewer numbs to the effects
very quickly: Phoenix' insane laughter, his other-worldly dancing at
home or the many cruelties out on the streets that he has to endure...
One can't help but sink into the chair, switch to autopilot and maintain
a safe inner distance.
To
make a plot like this suspenseful, it needs contrast and development.
More story, less posing! A little light to go with the darkness. The
first scene already offers an atmospheric climax. Dark, darker, darkest?
There is no such thing as blacker than black! I believe, this
demonstrates a dramaturgic neglect and a regrettable one at that,
considering the project's immense potential.
cnm/marik
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