JUDY

- Gefangen im Image -
JUDY
Renée Zellweger
Großbritannien 2019
Genre: Biopic, Musikbranche, Drama
Länge: rund 120 Min.
Regie: Rupert Goold
Buch: Tom Edge
Darsteller: Renée Zellweger, Bella Ramsey, Jessie Buckley, Finn Wittrock, Rufus Sewell, Michael Gambon, Royce Pierreson u.a.
Kamera: Ole Bratt Birkeland
Schnitt: Melanie Ann Oliver
Musik: Gabriel Yared

Judy Garland (mit bürgerlichem Namen Frances Ethel Gumm, geboren 1922) ist ein Kind, als sie berühmt wird. Ihre ungewöhnlich strahlende Stimme mit starkem Vibrato macht's möglich. Sie wird ein Superstar und dreht ein gutes Dutzend Filme, noch bevor sie 16 ist. Glück kann man das nicht nennen, denn sie wird zum Profi verdonnert, bevor ein normales Leben mit den allzu menschlichen Höhen und Tiefen auch nur beginnen darf. Ein Leben unter ständiger Observation und einem diätetischen Diktat wird ihr praktisch aufgezwungen. Später, mit zwei Kindern allein erziehend und deutlich weniger Erfolgen, hat sich dieses Diktat bereits allzu nachhaltig in ihr Hirn gebrannt; zwar liebt sie ihre Kinder und möchte am liebsten bei ihnen sein, doch muss sie auch irgendwie zu Geld kommen, und da ist die öffentliche Judy gefragt, eine, die immer lächelt und immer mit Magie und Glamour einen jeden Raum vergrößert, und diese Judy ist bei ihr sowieso ein ständiger Reflex. Der Film Judy erzählt von dieser Diskrepanz.

Renée Zellweger weiß ein Lied davon zu singen, was es heißt, von Erwartungen erdrückt zu werden. Nach ihren ersten Erfolgen musste sie Berge versetzen, um sich ein neues Image aufzubauen und das alte - niedlich, tappsig, unschuldig - hinter sich zu lassen. Womöglich, wahrscheinlich sogar legt sie einiges davon in ihre Darstellung der verzweifelten, unverstandenen Judy Garland, der Frau, die erstrangig über ihre schillernde Vergangenheit definiert und wahrgenommen wurde. Und das bringt im Film Momente mit sich, die faszinieren und einen vollkommen durchdringen, die es ermöglichen, sich in Judy nicht als Mythos sondern als Menschen einzufühlen. Sämtliche kleineren und größeren Nebenrollen spielen dankenswerterweise auf Augenhöhe mit ihr. Auch visuell ist Judy lupenrein: ein fortwährend eleganter Augenschmaus in Ausstattung, Licht- und Farbgebung und darüberhinaus höchst sensibel musikalisch unterlegt. Auch ihre gesangliche Leistung ist ohne Übertreibung glänzend und eine echte Überraschung, zumal sie sich auf diesem Gebiet bislang ja nicht hervorgetan hatte.

Dennoch... dramaturgisch hält Judy nicht wirklich stand. Wenn es auch inszenatorisch große Momente gibt (wie etwa die sehr ungewöhnliche, souveräne Einstiegssequenz), ist das Gesamtgefüge doch zu redundant, und die Geschichte scheint darum auf der Stelle zu treten. Alles in allem würde ich den Film jedoch jedem und jeder Interessierten ans Herz legen, da einen dieser Film nicht wirklich kalt lässt.

Gelungenes Œuvre zu einem gewagten Thema, der Annäherung an eine Hollywood Legende, mit vielen starken und sehenswerten Aspekten und der kleinen Einschränkung einer unrunden Dramaturgie. Empfehlung.

cnm

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