HELMUT NEWTON - THE BAD AND THE BEAUTIFUL

- Obsessed -
HELMUT NEWTON - THE BAD AND THE BEAUTIFUL
Helmut Newton
Deutschland 2020
Genre: Dokumentation
Länge: gut 90 Min.
Regie: Gero von Boehm
Mit: Helmut und June Newton, Isabella Rossellini, Hanna Schygulla, Claudia Schiffer, Charlotte Rampling, Grace Jones, Nadja Auermann, Susan Sontag, Marianne Faithful u.a.
Kamera: Sven Jakob-Engelmann

Info des Verleihers:
Anlässlich des 100. Geburtstags von Helmut Newton am 31. Oktober 2020 erzählt Gero von Boehm die (...) Lebensgeschichte des in Berlin geborenen - und dort begrabenen - jüdischen Starfotografen, der 1938  vor den Nationalsozialisten über Triest und Shanghai nach Australien floh. Dort lernte Newton seine spätere Ehefrau June, ebenfalls Fotografin, kennen und fotografierte ab den 1950er Jahren für verschiedene internationale Ausgaben der "Modebibel" Vogue.

Eine solche Doku könnte ausgesprochen öde ausfallen, man stelle sich vor, eine Auswahl der Fotos des Künstlers werden abgefilmt, dazwischen ein paar O-Töne, fertig. Formal geht da auch nicht viel mehr, aber: Newton war halt nicht irgendein Fotograf. Und die Frauen, die er fotografierte, nicht irgendwelche Frauen! Das Schalkhafte, das Clowneske, die ungebändigte Leidenschaft, mit dem Newton seine Arbeit (sprich: sein Leben) anging, sprühten Funken und übertrugen sich auf die meisten, mit denen er zu tun hatte. So erfahren wir vieles über sein Leben: seine Kindheit in Berlin, sein familiäres Schicksal als Jude in Deutschland zur Nazizeit, das Exil, die lebenslange Liebe zu seiner Frau und - vor allem - vom Visionär Newton und der entscheidenden Rolle, die die Kamera für ihn in Krisensituationen spielte. Davon erzählen vor allem seine Frau June sowie die Archivaufnahmen vom Künstler während einiger Fotosessions.

All den Prominenten - Rampling, Sontag (die den Fotografen ja kritisch sah), Rossellini, Faithful, Schiffer... würde man gern noch viel länger zuhören als diese Doku ihnen zugesteht, jede beleuchtet den Mann aus ihrer Perspektive - illustriert mit den jeweiligen Begegnungen und Geschichten. Mein persönlicher Eindruck war: wir erleben hier das Portrait eines Lüstlings! Aber eines, den man eigentlich nur gern haben kann, weil er den Frauen, auch wenn er sie meist nackt fotografierte, zu jeder Zeit mit größtem Respekt begegnete, und für den Männer im besten Falle "Accessoires" waren (stellen Sie sich am besten ein Biopic mit Geoffrey Rush in der Hauptrolle vor!).

Erzählfreudiges, vielschichtiges und vergnügliches Portrait eines der prägenden Fotografen des 20. Jahrhunderts. Sehenswert!

cnm

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