SIBYL - THERAPIE ZWECKLOS ★★★★★☆
Originaltitel: Sibyl | Kinostart: 16. Juli 2020
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Virginie Efira
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Frankreich, Belgien 2019
Genre: Drama, Dramödie
Länge: 100 Min.
Regie: Justine Triet
Buch: Justine Triet, Arthur Harari
Darsteller: Virginie Efira, Adèle Exarchopoulos, Sandra Hüller, Gaspard Ulliel, Laure Calamy, Niels Schneider, Paul Hamy, Arthur Harari u.a.
Kamera: Simon Beaufils
Schnitt: Laurent Sénéchal
Music Supervisor: Thibault DeboaisneDie
Psychotherapeutin Sibyl beschließt, sich wieder ihrer eigentlichen
Leidenschaft zu widmen: dem Schreiben. Dazu muss sie etlichen PatientInnen den Laufpass geben - mit einer Ausnahme: ihrer
neuen Patientin Margot, einer jungen Schauspielerin am Rande des
Nervenzusammenbruchs. In Margots Schicksal findet die Sibyl Inspiration für ihr neues Buch. Die trockene Alkoholikerin taucht immer tiefer in Margots turbulentes
Leben ein, bricht alle professionellen Regeln und wird dabei mehr und
mehr mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert. Als sich die Therapeutin zu einem
Filmset direkt am Vulkan Stromboli begibt, um Margot psychologisch zu
unterstützen, wird ihre bislang perfekte Fassadentechnik auf eine harte Probe gestellt.
Sibyl beginnt nicht als Komödie! Das ändert sich eigentlich erst mit der großartigen Sandra Hüller, der es in ihrer Rolle einer Filmregisseurin gelingt, etwas Urkomisches in die Verzweiflung ihrer Figur zu legen. Damit ist die Komik eher ein Nebeneffekt des Films, der im Grunde tragisch und dabei absolut frei erzählt, sinnvoll verschachtelt und suggestiv geschnitten / vertont ist, dass er atmosphärisch an einen prototypischen Romy Schneider-Film denken lässt. Perfid geht's hier zu, erotisch ohne frivol oder billig zu sein, absurd, doch absolut menschlich. Die Abgründe der Hauptfigur, die selbstverständlicher mit ihrem Umfeld nicht Scharade spielen könnte, lässt einen erschauern und das letzte Bisschen Glauben an die Menschheit schockgefrieren. Selbst, wenn Sybil dieser Tage coronabedingt womöglich wenig Zuschauer erreicht, ist er doch ein so zeitloser Film, dass er auch in 30 Jahren an Charme nichts eingebüßt haben dürfte. Allein das etwas unschlüssige, leicht zerfaserte Ende dieses Films dämpft meine Begeisterung, aber nicht meine Faszination.
Ein sehenswert finsteres Psychogramm mit streckenweise subtiler Komik, top besetzt, eine Erzählart, zu der wohl nur das französische Kino im Stande ist. Empfehlung!
cnm
Hinweis: wem dieses Thema gefällt, dem dürfte auch die Serie GYPSY gefallen, gesehen auf Netflix. Ähnlicher Stoff, extrem langsam aber atmosphärisch dicht erzählt.
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