JEAN SEBERG - AGAINST ALL ENEMIES
- Unser aller Schuld -
JEAN SEBERG - AGAINST ALL ENEMIES ★★★★★★
Originaltitel: Seberg | Kinostart: 17. September 2020
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| links: Anthony Mackie, daneben: Kristen Stewart |
USA 2019
Genre: Biopic
Länge: gut 100 Min.
Regie: Benedict Andrews
Buch: Joe Shrapnel, Anna Waterhouse
Darsteller: Kristen Stewart, Anthony Mackie, Jack O'Connell, Margaret Qualley, Zazie Beetz, Yvan Attal, Stephen Root, Colm Meaney, Vince Vaughn, Jade Pettyjohn u.a.
Kamera: Rachel Morrison
Schnitt: Pamela Martin
Musik: Jed Kurzel
Hollywood, Ende der 1960er Jahre. Die noch recht junge Jean Seberg ist im Begriff, ein Superstar zu werden. Bereits mit der französischen Produktion "Außer Atem" hatte sie an der Seite von Jean-Paul Belmondo große Aufmerksamkeit erregt. Die Traumfabrik hat nun Pläne mit der ungewöhnlichen, schillernden Frau, die an Charme und Eleganz Audrey Hepburn das Wasser reichen kann. Sie ist so talentiert wie ambitioniert, das Publikum bereits angefixt, mit ihr wird sich ein Haufen Geld machen lassen. Da kommt es der Filmindustrie natürlich ungelegen, dass Seberg selbst denkt und keine Rollen annehmen will, in denen sie ein hohles Püppchen zu verkörpern hat. Und nicht nur das, sie interessiert sich für das Aufbegehren der Schwarzen im Land gegen Rassismus und sinnlose Polizeigewalt, sie will sich einbringen, will helfen, ihren Status nutzen, um die Bewegung zu unterstützen und im Land etwas zu bewegen. Also schließt sie sich der Black Panther-Bewegung an und gerät automatisch in den Fokus des FBI. Fortan wird sie observiert und ihr Leben wie ihre Karriere systematisch zerstört.
Was diesen Film ganz besonders macht, ist das Gelingen von glänzender Unterhaltung (Bilder: superb. Musik: jazzig-cool, atmosphärisch immer perfekt. Buch: einwandfrei. Schauspiel: grandios. Dramaturgie: rund. Schnitt: makellos) und einem Anliegen, das in unserer Zeit mal wieder brennend aktuell ist, nämlich Black Lives Matter. Es geht um die Frage, ob du dir als Star neben all dem Komfort, der dir geboten wird, auch eine Haltung erlauben darfst. Diese Frage gilt fürs Filmbusiness, für den Sport, für die Musik... - in manchen Branchen ist es vielleicht etwas leichter als in anderen, aber immer stellt sich die kalkulatorische Frage Integrität vs. Komfort bzw. Karriere. Jean Seberg will sich nicht fügen, sie macht den Mund auf, sie zeigt sich, trotz massiver Bedrohung und Einschüchterung - und das Schöne ist: Jean Seberg macht aus ihr nichtmal eine Heilige. Und damit erzählt er erfreulich differenziert auch von den Fallen noch so gut gemeinter Solidarität. Ein Film wie ein Mahnmal, das auf eigentümlich leise Art erschüttert und uns an unsere eigene Verantwortlichkeit erinnert.
Unterhaltung und Botschaft aufs Feinste kombiniert, das ist die cinéastische Königsdisziplin. Absolute Empfehlung!
cnm
Querverweis auf Frances (USA 1982) und Das Leben der Anderen (Deutschland 2006)

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