NEUBAU
NEUBAU ★★★★☆☆
Kinostart: 12.08.2021 | FSK 16
Genre: Heimatfilm, diversLänge: 81 Min.
Regie: Johannes M. Schmit
Buch: Tucké Royale
Buch: Tucké Royale
Darsteller: Tucké Royale, Monika Zimmering, Jalda Rebling, Minh Duc Pham u.a.
Kamera: Smina Bluth
Schnitt: Antonella Sarubbi
Musik: Nguyen Baly & Tara Transitory
Sie können meine Kritiken als
Kamera: Smina Bluth
Schnitt: Antonella Sarubbi
Musik: Nguyen Baly & Tara Transitory
Sommer in der Brandenburger Provinz.
Markus ist hin- und hergerissen zwischen der Liebe zu seinen
pflegebedürftigen Omas und der Sehnsucht nach einem anderen Leben in
Berlin. In Tagträumen erscheint ihm immer häufiger eine Schar
schillernder Dämonen als Vorboten einer queeren urbanen Wahlfamilie, die
ihn aus seiner Einsamkeit befreit. Als er sich in Duc verliebt, wird
alles noch komplizierter. Denn eigentlich stehen in Markus’
Neubauwohnung schon die gepackten Kisten für den Umzug in die große
Stadt. (Verleih-info)
Es sei vorweg notiert, dass ich überzeugt bin, mit dem Versuch einer Besprechung diesem Films kaum gerecht werden zu können, denn ich bekam ihn nicht zu fassen, während er mich doch nicht losließ. Gaz anders, als man es von Filmen im Allgemeinen gewohnt ist, scheint sich die übliche Erzählweise, Schlüssigkeit und Dramaturgie hier völlig zu verweigern. Der Alltag plätschert vor sich hin, und ständig wird etwas angedeutet, was man zu deuten versucht und sich denkt: na, das wird sicher später noch entschlüsselt. Wird es nicht. Nicht eindeutig.
Mir stellten sich Fragen wie: was soll diese Gruppe da, wo kommt jetzt diese Selbstbehandlung her, was ist das für eine Narbe, wie sind die Omis dem Mann bzw. einander zuzuordnen, zwei Namen, warum?, wieso hockt er jetzt da statt zu stehen?! Der Film ist dabei aber so echt und so still authentisch, dass er auch eine Doku sein könnte, eine Art Selbstportrait. Ist er aber nicht.
Damit machen es uns Autor und Regisseur wahrlich nicht leicht. Die Fragen nach der Identität und Zugehörigkeit der Hauptfigur ist gleichzeitig die Frage nach dem "wie sehe ich eigentlich die Welt, wie stark verankert sind meine alten Schubladen, und sollen sie bleiben, wo sie sind?".
Das vom Autor gewählte Genre des Heimatfilms kann irreführend sein, denn unsere spontane Erwartungshaltung dem Genre gegenüber wird hier mitnichten erfüllt. Und doch: es geht um Heimat. Wo bin ich zuhause? Wie lässt sich der Drang in zwei entgegengesetzte Himmelsrichtungen vereinbaren? Hier gibt es keinen Kitsch und keine Rührseligkeit, wohl aber Gefühle - satt. Die lauern unter der Oberfläche eines auf den ersten Blick vollkommen unspektakulären Hergangs, mit einer inneren und äußeren (vermeintlichen) Ruhe.
Ein Film der sich dem Genre der "Neuen Selbstverständlichkeit" zuordnet. Das zu erleben war für mich eine Herausforderung, die mich beeindruckt hat. Ich möchte gerne mehr in dieser Art sehen.
cnm
wöchentliche mail bestellen unter:
cinemoenti@email.de

Kommentare
Kommentar veröffentlichen