TRANS - I GOT LIFE

TRANS - I GOT LIFE  ★★★★★★
Kinostart: 23.09.2021 | FSK 12


 
 
Deutschland, Russland, USA 2021
Genre: Dokumentarfilm
Länge: rund 95 Min.
Regie: Imogen Kimmel, Doris Metz
Buch: Imogen Kimmel, Doris Metz
Mit: Trans-Menschen, deren Angehörigen und einem Facharzt
Kamera: Sophie Maintigneux
Schnitt: Frank J. Müller
Musik: Gregor Schwellenbach

Die MacherInnen dieses Films haben sieben Menschen mit einer Trans-Identität portraitiert, die sich bereit erklärten, ihre Lebensgeschichte, Probleme, Glücksmomente und Gedanken zu teilen. Das Gute an der Doku: sie kommt kein bisschen voyeuristisch daher. Wir begegnen ganz einfach Leuten, mit denen man sich leicht identifizieren kann. Sie berichten von einem Lebensweg, bei dem das Gefühl, im falschen Körper zu leben, bestimmend aber eben auch nicht alles ist. Sie alle wollen ein erfülltes Leben, mal mehr mal weniger aufregend, so wie jede/r andere auch - nur eben nicht in dem Körper, in dem sie geboren wurden. Das stößt im direkten Umfeld mal auf mitfühlende Akzeptanz (wie im Beispiel einer engen Mutter-Tochter (geboren als Sohn)-Beziehung oder auch auf starke Ablehung. Bilder als Vergleich von heute zu früher spielen kaum eine Rolle; irgenwann im Lauf des Films werden sie beiläufig auf den Tisch gelegt und kommentiert, nie aber als Schauwert ausgestellt, wie wir es eher aus dem Privatfernsehen kennen.
Ein wichtiger Aspekt ist der medizinische, und der wird hier fortwährend begleitet und detailliert erklärt von einem offensichtlich fähigen, empathischen Arzt, der darlegt, wie er die Transition chirurgisch und psychologisch angeht.

Da ich selbst kaum Transsexuelle erlebe und an mir selbst bemerke, wie beklommen ich werde, wenn ich auf der Straße oder im Bus eine Frau sehe, die nicht als Frau geboren zu sein scheint, sich meine Gefühle im Kreis drehen und sich sofort eine unsichtbare Wand zwischen der Person und mir hochzieht, habe ich persönlich dies Dokument als außerordentlich hilfreich erlebt: eine solche Nähe und so viel persönliche Erlebniswelt ohne jede Wertung hilft, diese unsichtbaren Barrieren abzubauen. An ihre Stelle tritt Zuneigung.

Ein wohltuendes, empathisches und sinnvolles Dokument, das uns hilft zu vertehen und alten Mist in unseren Köpfen zu verabschieden. Sinnvoll fände ich eine um bestimmte Szenen gekürzte Fassung für Kinder und Jugendliche. - Empfehlung.

cnm
 
Die Doku erhielt den Publikumspreis beim Filmfest München 2021 
Mehr infos und Fotos finden Sie hier.

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