THE FRENCH DISPATCH
THE FRENCH DISPATCH ★★★★½☆
Kinostart: 21.10.2021| FSK 12
| ⓒ Walt Disney Company |
USA, Deutschland 2021
Genre: Wes Anderson-ist-sein-eigenes-Genre, Episodenfilm
Länge: knapp 110 Min.
Regie: Wes Anderson
Buch: Wes Anderson
Buch: Wes Anderson
Darsteller: Bill Murray, Tilda Swinton, Frances McDormand, Saoirse Ronan, Léa Seydoux, Elisabeth Moss, Timothée Chalamet, Adrien Brody, Willem Dafoe, Benicio Del Toro, Owen Wilson, Liev Schreiber, Mathieu Amalric u.v.m.
Kamera: Robert D. Yeoman
Schnitt: Andrew Weisblum
Musik: Alexandre Desplat
Kamera: Robert D. Yeoman
Schnitt: Andrew Weisblum
Musik: Alexandre Desplat
Nachdem die Redaktion der Zeitschrift The French Dispatch (Sitz in der französischen Stadt Ennui-sur-Blasé*) fünf Jahrzehnte lang gute Arbeit geleistet hat und ihr Chefredakteur der ersten Stunde verstirbt, gibt das eingespielte Team - dem Testament des Chefs folgend - ein allerletztes Exemplar heraus und erinnert sich darin an vier bestens recherchierte und mehr oder weniger pikante Stories. Somit ist der Film in Kapitel aufgeteilt, die episodenhaft aufgeführt werden und keinerlei Zusammenhang bilden. Tangiert werden die Themen Kunst und Knast, Politik und Poesie, Revolution und Romanze und - äh - vergessen...
Man kommt aus dem Kino und könnte die Geschichte - mit Verlaub - niemandem erzählen, weil man dafür ein Superhirn bräuchte. Die Episoden sind formal wie inhaltlich derart überdekoriert mit Details, dass man - reiner Selbstschutz - bald aufgibt, der Handlung folgen zu wollen und sich dem Gesamteindruck hingibt. Und der hat es in sich! So wie Anderson Stars besetzten kann wie ein Fischer Fische im Netz hat (an einem richtig guten Tag), so jongliert der Regisseur mit sämtlichen zur Verfügung stehenden cinéastischen Möglichkeiten: schon das Bildformat wechselt vom beinah-Quadrat zum Normalformat zum Breitwandbild (merke: das Quadrat ist Andersons große Stärke; die anderen hätte es meiner unmaßgeblichen Meinung nach nicht gebraucht).
Die Filmsets dienen als Tableaus für zumeist aus dem Off erzählte Geschichten, überwiegend für stehende Einstellungen mit nur gelegentlichen und sehr gezielt eingesetzten Zooms und kurzen Fahrten. Jedes Bild wirkt wie ein Kunstwerk, vor dem man gern lange stünde: über und über voll schöner Ideen, farblich perfekt abgestimmt und mit so vielen interessanten Details, dass allein schon das auf dem heimischen Fernsehbildschirm völlig unterginge.
Das Bemerkenswerteste am Film ist seine lakonische Ironie, eine leise Komik, in der Anderson seit jeher ein Meister ist. Die zeigt sich im zuvor beschriebenen optischen Aspekt, wird aber vorrangig getragen von den endlosen furztrockenen Texten, dem Talent zur Zurückhaltung sämtlicher SchauspielerInnen und einer Musik, die unter all dem - kaum merklich - tänzelt, als sei sie geschrieben von einem beschwippsten aber kein bisschen müden Erik Satie (✝︎1925).
Man schaue diesen Film, wenn man an Formen interessiert ist, an chirurgischer Präzision und an der Kunst des Erzählens als solcher. Bei mir blieb als Nachhall kein Gefühl zu einer erlebten Geschichte, dafür aber der leise Gedanke, The French Dispatch noch zwei- oder drei- oder fünfmal auf großer Leinwand genießen zu wollen.
cnm
*hihi
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