DAS ENDE DES SCHWEIGENS
DAS ENDE DES SCHWEIGENS ★★★☆☆☆
Filmstart: 02.12.2021 | FSK 12
Deutschland 2020
Genre: Dokumentarfilm, LGBTQI+| Unter dem Eisernen Steg in Frankfurt am Main © GMfilms.jpg |
Deutschland 2020
Länge: rund 80 Min.
Regie: van-Tien Hoang
Buch: van-Tien Hoang, Holger Heckmann
Interviewte: Christian Setzepfandt, Marcus Velke, Gottfried Lorenz, Horst Tim Riethausen, Wolfgang Lauinger
Buch: van-Tien Hoang, Holger Heckmann
Interviewte: Christian Setzepfandt, Marcus Velke, Gottfried Lorenz, Horst Tim Riethausen, Wolfgang Lauinger
Darstellende: Yvo Heinen, Christoph Gerard Stein, Bernd Lottermann, Conrad Bach, Marco Linguri, Horst Winkelewski, Wolf Gerhardt, Pierre Siart, Michael Zimmermann, Thorsten Schmitt u.v.m.
Kamera: Tim Lota
Schnitt: Tim Lota
Musik: Frank Moesner
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Kamera: Tim Lota
Schnitt: Tim Lota
Musik: Frank Moesner
Diese Dokumentation beleuchtet die Frankfurter Homosexuellenprozesse von 1950/51 im historischen Kontext. Als der Paragraph 175 aus der Kaiserzeit in den 1920er Jahren abgeschafft werden sollte, kamen gesellschaftliche Krisen und dann natürlich die Nazis in die Quere. Nach dem zweiten Weltkrieg bedienten sich dann schlaue Anwälte des Paragraphen, um Schwule wiederum in größte Bedrängnis zu bringen, herabzuwürdigen, zu verhören und zu inhaftieren. Eine zentrale Figur war der Strichjunge Otto Blankenstein, den man als Denunziant instrumentalisierte. Qua Zusammenschnitt aus Spielszenen und O-Tönen von Historikern und Betroffenen wie Wolfgang Lauinger geht es hier ins Detail.
Die Prozesse endeten mit der Verurteilung Otto Blankensteins im Februar 1951. Seitdem verlor sich seine Spur; ihm wurde eine neue Identität zugesagt. Bis dahin wurde gegen 200 Männer ermittelt, der Großteil von ihnen wurde verhaftet, 75 verurteilt. Im März 2017 entschied das Bundeskabinett, noch lebende, nach dem § 175 verurteilte Männer zu entschädigen. Wolfgang Lauingers Antrag auf Entschädigung wurde abgelehnt. Er verstarb am 20. Dezember 2017.
Gerade wenn wir diese Doku neben den erst kürzlich gestarteten Spielfilm "Grosse Freiheit" (Kritik in meinem Blog) stellen, ergibt sich ein immer vollständigeres Bild a) jener Zeit und b) davon, wie sehr wir heute bei allen geglückten Bestrebungen zur Befreiung "anderer Lebensentwürfe" als der der Majorität immer noch achtsam sein und kampfbereit sein müssen. Denn bekanntlich ähneln die 1920er allzu besorgniserregend den 2020er Jahren.
Kritische Anmerkung: ein strafferer Schnitt und präzisere Regie bei den Spielszenen hätte dem Projekt gut getan. Dennoch: ein relevantes Dokument, das ich mir auszugsweise im Schulunterricht vorstellen könnte.
cnm
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