FRAU IM DUNKELN
FRAU IM DUNKELN ★★★★★½
Originaltitel: The Lost Daughter| Filmstart: 16.12.2021, Netflix-Start: Januar 2022 | FSK 12
Genre: Drama, DebütLänge: gut 120 Min.
Regie: Maggie Gyllenhaal
Buch: Maggie Gyllenhaal
Buch: Maggie Gyllenhaal
Nach: Elena Ferrante
Darstellende: Olivia Colman, Jessie Buckley, Dakota Johnson, Ed Harris, Peter Sarsgaard, Dagmara Dominczyk, Paul Mescal u.a.
Kamera: Hélène Louvart
Schnitt: Affonso Gonçalves
Musik: Dickon Hinchliffe
Kamera: Hélène Louvart
Schnitt: Affonso Gonçalves
Musik: Dickon Hinchliffe
Verfilmung eines erfolgreichen Romans von Elena Ferrante (der Name ist ein Pseudonym zum Schutz der Privatsphäre der Autorin). Eine Professorin Ende vierzig namens Leda verbringt ihren Urlaub allein an einem idyllischen Strand. Sie will dort Arbeit mit Erholung verbinden. Zunächst läuft alles rund, alle sind freundlich, sie findet ihre Ruhe. Doch die wird unerwartet gestört von einer anrollenden Großfamilie, Freunde, Mütter, Paare, eine Schwangere, Kinder. Es wird laut, es gibt kleinere Auseinandersetzungen der peinlichen Art, es gibt unerwartete Annäherungen (ein Mädchen geht kurzzeitig verloren, Leda findet es): eine halbwegs friedliche Koexistenz etabliert sich, so scheint es. Aber wir sehen mehr: der Trubel direkt vor ihren Augen erinnert die Urlauberin an eine schmerzliche Episode in ihrer Vergangenheit. Nach und nach ergibt sich ein Austausch zwischen Leda und einer Mutter aus Bagage, Nina. Zunächst wortlos, später verbal, erst vorsichtig, dann offener. Und gut Verdrängtes tritt an die Oberfläche, ins Bewusstsein der beiden.
Ich kenne die literarische Vorlage dieser Geschichte nicht, aber das Regiedebüt von Maggie Gyllenhaal hat literarische Qualität, ist souverän und frei und so eindringlich erzählt wie selten ein Film. Die Regisseurin setzt auf die superben Talente ihres Casts, da reichen Blicke und kleine Gesten, das alles ist immer organisch, immer spannend, während oberflächlich betrachtet gar nicht viel passiert. Ein Faszinosum!
Ebenso faszinierend und einer der wichtigen qualitativen Aspekte des Films ist der Schnitt, der mich immer wieder an Wenn die Gondeln Trauer tragen (GB, Italien 1974, R.: Nicolas Roeg) erinnerte. Zuweilen werden die Ton- und Bildspuren stark versetzt, laufen gar nicht mehr synchron, Zeitebenen verschwimmen, und für mich ist der Effekt eine Art erzählerischer Schwebezustand ähnlich dem, in dem sich irgendwann die beiden Frauen befinden und beinahe verlieren.
Im Kern des Films erleben wir, wie zwei gequälte Seelen einander begegnen und sich erkennen - eine erzählerische Miniatur mit dramatischer Wucht. Für ArtHaus-Fans ist Frau im Dunkeln ein absolutes Muss!
cnm
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cinemoenti@email.de Derzeit zu sehen im Kino und auf Netflix abrufbar.
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