WILLI UND DIE WUNDERKRÖTE
Länge: 90 Min.
Buch: Markus Dietrich
Kamera: Christoph Iwanow
Schnitt: Barbara Toennieshen BfS
Musik: Amaury Laurent Bernier
Die Agakröte – vor der Kamera zu sehen für die Erdkröte
Die Agakröte stammt ursprünglich aus dem tropischen Amerika und ist dort weit verbreitet. Sie ist eine der größten Kröten der Welt mit ihren fast 25 Zentimeter Länge und stattlichen 1,5 Kilo Gewicht. Auffällig sind die beiden großen Drüsen hinter dem Kopf, in denen sie ein wirksames Gift zu ihrer Verteidigung produziert. Es ist so giftig, dass viele Fressfeinde, die eine Agakröte verschlingen, daran sterben. Agakröten sind sehr anpassungsfähig und leben vom tropischen Regenwald über Savannen bis hinein in Felder, Plantagen, Städte und Gärten. Sie sind ausgesprochen gefräßig und vertilgen große Mengen an Insekten, Schnecken und anderen Kleintieren. Deshalb wurden sie in der Vergangenheit als biologische Schädlingsbekämpfer auch in anderen Teilen der Welt ausgesetzt, etwa in Austra-lien. Damit allerdings wurden sie zur echten Bedrohung für die heimische Tierwelt, weil sie dort keine natürlichen Feinde haben und sich ungebremst ausbreiten konnten. Kleinere Amphibien fressen sie einfach auf, und viele potenzielle Fressfeinde dort sind auf giftige Kröten nicht eingestellt und verenden, nachdem sie eine Agakröte gefressen haben.
Als Filmstar eignen diese Kröten sich hingegen perfekt. Sie sind sehr umgänglich und furchtlos dem Menschen gegenüber, sie können leicht im Terrarium gehalten werden und weisen eine stattliche Größe auf.
Zudem sehen sie unseren heimischen Erdkröten ziemlich ähnlich. Die werden zwar längst nicht so groß wie ihre tropischen Verwandten, sind aber dennoch unsere größten Kröten. Besonders bekannt sind Erdkröten für ihre Massenwanderungen zu Beginn des Jahres zu ihren Laichgewässern. Den Rest des Jahres über leben sie, ähnlich wie die Agakröte, in zahlreichen Landlebensräumen von Wald bis Wiese und kommen bis in unsere Gärten vor.
Der Neuguinea-Riesenlaubfrosch – vor der Kamera zu sehen als Europäischer Laubfrosch
Der Neuguinea-Riesenlaubfrosch kommt im tropischen Tiefland von Nordost-Australien, Neuguinea und auf eini-gen weiteren Inseln vor, etwa auf den Molukken und auf Timor. Er ist mit einer Länge von neun Zentimetern bei den kleineren Männchen und von zwölf Zentimetern bei den Weibchen ein sehr großer Laubfrosch. Er lebt weitge-hend baumbewohnend, ist aber nicht sonderlich wählerisch, was seine Aufenthaltsplätze angeht. Auch Häuser besiedelt er gerne und frisst dann nachts mit Vorliebe Insekten, die von Lampen angelockt werden, oder er erfreut sich an Duschen in Badezimmern oder Wasseranschlüssen in Gärten. Im Blattwerk ist er durch seine blattgrüne Farbe bestens getarnt. Den Tag verschläft er normalerweise in Baumhöhlen oder an Blätter oder Stämme geheftet. Er klettert hervorragend – dazu sind seine Zehen zu breiten Haftscheiben umgebildet, mit denen er sogar mühelos an senkrechten Glasscheiben herumspazieren kann. Die Art ist weit verbreitet und häufig. Aufgrund seines ruhigen Wesens und weil er ohnehin gerne die Nähe des Menschen sucht, wird er gerne als Haustier gehalten und eignet sich hervorragend für Dreharbeiten.
Im Film vertritt der Neuguinea-Riesenlaubfrosch unseren heimischen Europäischen Laubfrosch. Die Ähnlichkeit der beiden Frösche ist auf den ersten Blick frappierend. Sie bewohnen dieselbe ökologische Nische und haben deshalb ähnliche Anpassungen entwickelt, etwa die Haftscheiben an den Zehen und die Färbung. Dabei sind beide Arten nicht näher miteinander verwandt. Wenn unterschiedliche Tiere aufgrund ähnlicher Umweltbedingungen ähn-liche Anpassungen entwickeln, spricht man in der Biologie von Konvergenz. Und diese beiden Laubfrösche sind sehr konvergent, mit dem Unterschied, dass der Neuguinea-Riesenlaubfrosch drei Mal so groß wird wie sein eu-ropäisches Ebenbild. Aber während der Frosch vom anderen Ende der Welt in seiner Heimat noch allerorten reich-lich Laichgewässer findet, mangelt es unserem heimischen Laubfrosch genau daran. Da er etwas spezielle An-sprüche an seine Kinderstube stellt und nur fischfreie, gut sonnenbeschienene, flache Laichgewässer mit Laub-bäumen oder Hecken in näherer Umgebung akzeptiert, ist er bei uns inzwischen gefährdet.
Die Schwarznarbenkröte – vor der Kamera zu sehen als Grasfrosch
Die Schwarznarbenkröte wird in der Regel acht bis zwölf Zentimeter lang. Sie ist die häufigste Kröte Südostasiens und dort im tropischen bis subtropischen Tiefland weit verbreitet. Was auch daran liegt, dass sie keinerlei Probleme mit der Nähe des Menschen hat, im Gegenteil: Sie lebt gerne in seiner Nähe, in Dörfern, Städten, Parks und Gärten ebenso wie auf landwirtschaftlich genutzten Flächen. Sie profitiert von Bewässerungsanlagen und den zahlreichen Insekten, Schnecken und Würmern, die im Gefolge von Siedlungen, Plantagen und Äckern gehäuft auftreten. Eine Seite 15
Win-Win-Situation, denn auch die Menschen profitieren davon, dass die Kröten große Mengen der oft unerwünsch-ten Mitbewohner, Krankheitsüberträger und Ernteschädlinge verputzen.
Die eher unauffälligen braunen Kröten haben etwa die Größe und Färbung unserer heimischen Grasfrösche, ihnen gegenüber aber den entscheidenden Vorteil eines ausgesprochen ruhigen Gemüts. Sie bleiben auch mal eine Weile ruhig sitzen, während Grasfrösche bei jeder Art von Störung schnell in großen Sätzen flüchten – was sie für Dreharbeiten mit Schauspieler.innen wenig geeignet macht, zumal Frösche nicht dressiert werden können. Gras-frösche bewohnen bei uns ähnliche Lebensräume wie Schwarznarbenkröten in Südostasien – auch sie sind häu-fige, weit verbreitete Bodenbewohner. Obwohl der Grasfrosch unser häufigster heimischer Frosch ist, nimmt seine Zahl in den letzten Jahren immer mehr ab. Hauptgründe sind die intensive Landwirtschaft, der Straßenverkehr, das Insektensterben und der Klimawandel.

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