GRAND JETÉ
GRAND JETÉ ★★★☆☆☆
Filmstart: 11.08.2022 | FSK 16
Deutschland 2022
Länge: knapp 105 Min.
Regie: Isabelle Stever
Buch: Anna Melikova
Buch: Anna Melikova
Basierend auf: Anke Stelling ("Fürsorge")
Cast: Sarah Nevada Grether, Emil von Schönfels, Susanne Bredehöft, Stefan Rudolf u.a.
Kamera: Constantin Campean
Schnitt: Paul Gröbel & Jil Lange
Musikberatung: Sigourney Pilz
Kamera: Constantin Campean
Schnitt: Paul Gröbel & Jil Lange
Musikberatung: Sigourney Pilz
Es gibt Berufe und Karrieren, die beginnst du früh, und du übst sie nicht ewig aus. Nadja wollte Balletttänzerin werden und gab alles dafür. Als sie sehr jung schwanger wurde, ließ sie den Sohn bei der Mutter und verließ die Heimat, um sich und ihren Körper dem Tanz zu übergeben. Als der Junge ein junger Erwachsener ist, begegnen sich die beiden während einer Familienfeier wieder. Er entdeckt gerade seine Sexualität, sie ist inzwischen Tanzlehrerin und entdeckt ihre innere Unausgefülltheit. Augenblicklich entsteht zwischen den beiden eine Anziehung, der sie sich nicht entziehen können noch wollen.
Mit großer cinéastischer Sorgfalt haben Stever und Melikova einen künstlichen Raum erschaffen, in dem alles zugleich schwebend-traumwandlerisch und doch real und authentisch wirkt. Bei einem so heiklen Thema wie Inzest ist es ihnen gelungen, zugleich einen Sog in die Geschichte als auch eine Form von objektiver Betrachtung aus der Distanz zu ermöglichen. Das Wichtige hier geschieht ohne das gesprochene Wort, ohne die Erklärung, ohne auch nur den Versuch einer Rechtfertigung. M.E. die richtige Wahl, denn anders wäre das Thema "zerredet" worden. Die Undurchdringlichkeit, mit der die beiden Darstellenden ihre Figuren ausstatten, ist m.E. das Rückgrat des gesamten Films. - Unerklärlich war mir jedoch, warum die beiden nicht in Schwierigkeiten geraten (ich dachte etwa an den ähnlich gelagerten Film Angst essen Seele auf, BRD 1974, R.: Rainer Werner Fassbinder, in dem eine Verbindung zwischen zwei Menschen nach innen organisch ist und von außen verurteilt wird. Diese Fragen bleiben offen, und somit auch die Erzählung als solche.
Atmosphärisch dichter und glaubwürdiger so genannter Tabubruch, stilistisch faszinierend, erzählerisch morbid, bedauerlicherweise jedoch mit einigen Längen (und Lücken), an deren Stellen ich den Blick und die Bewertungen von außen - wenn auch nur andeutungsweise - vermisse. In jedem Fall sehenswert, weil ungewöhnlich.
cnm

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