RIMINI
RIMINI ★★★☆☆☆
Filmstart: 06.10.2022 | FSK 12
Österreich, Frankreich, Deutschland 2022
Genre: DramaLänge: 114 Min.
Regie: Ulrich Seidl
Buch: Ulrich Seidl, Veronika Franz
Buch: Ulrich Seidl, Veronika Franz
Cast: Michael Thomas, Tessa Göttlicher, Hans-Michael Rehberg, Inge Maux, Claudia Martini, Georg Friedrich
Kostüm: Tanja Hauser
Kamera: Wolfgang Thaler
Schnitt: Monika Willi
Komponisten: Franz Ostermayer, Herwig Zamernik
Kamera: Wolfgang Thaler
Schnitt: Monika Willi
Komponisten: Franz Ostermayer, Herwig Zamernik
Während der Trauerfeier für seine verstorbene Mutter greift Richie zum Mikrofon und schnurrt eines der altklugen, rührseligen Stücke aus seinem Schlager-Repertoire - tatsächlich nicht ganz ohne echte Betroffenheit. Der in der Trauerhalle sitzende Vater weiß weder, wo er sich befindet, noch, wer eigentlich gestorben ist. Lange ist es her, dass Richie Bravo als Schlagersänger Erfolge feierte. Geblieben ist seine Immobilie in Rimini samt schrecklichem Intérieur, wo er mit routinierter Verdrängung und großem Improvisationstalent seine Vorstellung von einem guten Leben zu konservieren versucht. Neben den spärlich besuchten Auftritten vorm Glitzervorhang (es ist Winter, da ist Rimini wie tot) beglückt er gelegentlich die eine oder andere alleinstehende Dame - gegen Bares. Er wird deutlich einknicken, als plötzlich seine inzwischen erwachsene Tochter aufkreuzt, um rückwirkend das Unterhaltsgeld einzutreiben, das zu zahlen er sich ihr ganzes bisheriges Leben lang erfolgreich verdrängt hat.
Ich bin hin- und hergerissen zwischen zwei Eindrücken. Einmal bietet Rimini die Präzision, Authentizität und Grausamkeit, die ich an Seidls' Filmen so schätze und die seine Filme so außergewöhnlich machen. Allein Michael Thomas als alter, armer Gigolo, der sich - stoisch - in einem immerwährenden wachen Alptraum die gute Laune nicht vermiesen lässt, ist schon hinreißend. Auch Hans-Michael Rehberg in seiner letzten Rolle als alter, dementer Vater spielt glänzend. Und der Mut des Regisseurs, menschliche Nöte wie unter dem Mikroskop so lange zu sezieren, bis es weh tut, ohne in die Übertreibung zu gehen, ist eine ungewöhnliche Leistung.
Auf der anderen Seite bringt der dramaturgische Schnitt das Konstrukt m.E. ab einem bestimmten Punkt zum Kippen. Die Qualität der langen Einstellungen wird zur Last, die Redundanzen ermüden mich, und es passiert sogar, dass emotionalste Momente plötzlich an "scripted reality" aus dem Privatfernsehen erinnern. Verknappung wäre hier unerlässlich für die Gesamtwirkung des Films gewesen.
Auf der anderen Seite bringt der dramaturgische Schnitt das Konstrukt m.E. ab einem bestimmten Punkt zum Kippen. Die Qualität der langen Einstellungen wird zur Last, die Redundanzen ermüden mich, und es passiert sogar, dass emotionalste Momente plötzlich an "scripted reality" aus dem Privatfernsehen erinnern. Verknappung wäre hier unerlässlich für die Gesamtwirkung des Films gewesen.
Bestürzendes Porträt eines in der Vergangenheit lebenden Schlagersängers, das an seiner Überlänge größeren Schaden nimmt.
cnm

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