MEINEN HASS BEKOMMT IHR NICHT
MEINEN HASS BEKOMMT IHR NICHT ★★★☆☆☆
Originaltitel: Vous n'aurez pas ma haine | Filmstart: 10.11.2022 | FSK 12 | nach wahren Begebenheiten
Frankreich, Deutschland, Belgien 2022
Genre: DramaLänge: gut 100 Min.
Regie: Kilian Riedhof
Buch: Jan Braren, Marc Blöbaum, Stéphanie Kalfon
Buch: Jan Braren, Marc Blöbaum, Stéphanie Kalfon
Nach: Antoine Leiris
Cast: Pierre Deladonchamps, Camélia Jordana, Thomas Mustin, Christelle Cornil, Anne Azoulay, Farida Rahouadj, Yannuk Choirat
Kamera: Manuel Dacosse SBC
Schnitt: Andrea Mertens BFS
Musik: Peter Hinderthür
Kamera: Manuel Dacosse SBC
Schnitt: Andrea Mertens BFS
Musik: Peter Hinderthür
Der Terror in Paris am 13. November 2015 ist noch lange nicht verarbeitet. Für viele war der Schock, geliebte Menschen von jetzt auf gleich zu verlieren, einfach zu groß. Antoine beisipielsweise wird seine Frau Hélène, die sich im Club Bataclan aufhielt, nie wieder in den Arm nehmen können. Und der zwei Jahre alte Sohn versteht noch nichts, darf nichts verstehen und muss doch umsorgt werden. Entgegen allen Erwartungen setzt der Erschütterte einen post ins Netz, der die Titel gebende Zeile enthält und der dem Hass der Terroristen Mitgefühl und Liebe (zu seinem Kind, zum Leben, zur Kultur) entgegenstellt. Das Statement verbreitet sich viral, Antoine bekommt eine Welle von Aufmerksamkeit, die irgendwie mit der Trauerarbeit in Einklang gebracht werden muss.
Gut ist, dass derzeit verschiedene Filme den Umgang mit einem Terrorakt aus verschiedenen Perspektiven beleuchten. Hier ist erleben wir die persönlichste Ebene aus nächster Nähe. Die Freunde und Verwandten rücken zusammen, helfen wo sie können, es entsteht eine neue Form von Gemeinschaft (wenn auch nicht immer erwünscht). Es ist den Machern hoch anzurechnen, dass der Terrorakt als solcher nicht im Film vorkommt, was m.E. geschmacklos gewesen wäre. Stattdessen: der Kampf, das Ringen um das richtige Tun, das richtige Sagen. - Auf der anderen Seite scheint mir beinahe jeder Versuch, das Trauern um verlorene Menschen filmisch kaum umzusetzen zu sein. Die, die es erlebt haben wissen, dass Bilder und Dialoge hier kaum je ausreichen werden. Und für eine Spielfilmlänge ist der Zustand der Trauer auch nicht füllend genug, es müssten weitere Geschichten hinzu kommen: das Kompensieren, die neuen Wege, die sich womöglich auftun, die Ohnmacht, mit ihnen richtig umzugehen - hier gibt es Leerstellen seitens des Drehbuchs.
M.M.n. ist es interessant, die verschiedenen Ansätze zum Thema als eine Gesamtheit wahrzunehmen und zu begreifen (wie z.B. den Film November von Cédric Jimenez, der die Polizeiarbeit ins Zentrum der Geschichte rückt).
Ruhiger und von Respekt geprägter Film über Trauer und Vergebung, solide inszeniert, dabei aber leider recht arm an Facetten.
cnm

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