LARS EIDINGER - SEIN ODER NICHT SEIN
LARS EIDINGER - SEIN ODER NICHT SEIN ★★★★☆☆
Filmstart: 23.03.2023 | FSK 6
Deutschland 2022
Länge: rund 90 Min.
Regie: Reiner Holzemer
Buch: Reiner Holzemer
Buch: Reiner Holzemer
Mit: Lars Eidinger, Juliette Binoche, Isabelle Huppert, Edith Clever, Angela Winkler, Verena Altenberger, Gustav Peter Wöhler, Thomas Ostermeier, Michael Sturminger, Olivier Assayas
Kamera: Reiner Holzemer
Schnitt: Helmar Jungmann
Musik: Max Rieger
Kamera: Reiner Holzemer
Schnitt: Helmar Jungmann
Musik: Max Rieger
Porträt des international bekannten Schauspielers und "Enfant Terrible" Lars Eidinger, bestehend aus Interviews, intimeren Momenten zB während einer Autofahrt, Probenarbeiten sowie O-Tönen von KollegInnen aus dem Bereich Film und Bühne.
Vielleicht ist es passend zu erwähnen, dass ich in der jüngsten Zeit Eidinger aus der Sicht eines Kinogängers eher mit Skepsis begegnet bin. Deutlicher: er ist mir auf die Nerven gegangen. Sein Spiel schien mir oft zu laut und wirkte auf mich meist wie die Hampelei eines Klassenclowns. Unangemessen für die Leinwand. Daraus entstand die Erwartung, dass der Schauspieler mir in diesem Porträt mit seiner Eitelkeit ebenso auf den Wecker fallen würde. Dies ist nicht geschehen.
Natürlich kann man immer sagen, dass auch in einer Dokumentation (oder gerade dort) eine "Persönlichkeit" nach Belieben her- und dargestellt werden kann. Die Aussagen Eidingers allerdings haben mich tatsächlich beeindruckt. Beispielsweise antwortet er auf die Frage danach, ob ihn Kritik verletzen oder beeindrucken könne, dass er doch hoffe, für wirklich alles um ihn herum empfindlich zu sein (also nicht abgestumpft), dass ihm im optimalen Falle alles etwas ausmache. (Erwartet hatte ich natürlich eine gegenteilige Rede). - Während einer Leseprobe für ein Bühnenstück rastet er an anderer Stelle aus wie ein Irrer, weil der Regisseur während seines dramatischen Monologs nicht alle Aufmerksamkeit schenkt und - sich abwendend - etwas klärt. Die KollegInnen werden sehr still, die Situation erinnert ein wenig an Kinski. Und ich denke: das wirkt zwar wahnsinnig, aber es ist ehrlich! Wie oft werden wir im Privaten verletzt und haben es uns angewöhnt und verinnerlicht, dass wir im Leben besser durchkommen, wenn wir möglichst jederzeit nett, freundlich, "nicht so mimosenhaft" auftreten. Blödsinn!
Eidinger betont, dass er auf der Bühne kein Anderer ist, sondern gerade in der Rolle, die er sich oder die ihn vereinnahmt viel mehr er selbst als im so genannten wirklichen Leben. Manch/e KollegIn würde es genau anders herum darstellen. Und wieder so eine vereinnahmende Wahrheit: für uns alle ist doch das Sich-Verstellen, das eine-Rolle-Spielen jeden Tag sozial überlebensnotwendig. Da ist es doch mehr als naheliegend, dass ein fantasievoll gestaltetes Bühnen alter ego befreit!
Eidinger betont, dass er auf der Bühne kein Anderer ist, sondern gerade in der Rolle, die er sich oder die ihn vereinnahmt viel mehr er selbst als im so genannten wirklichen Leben. Manch/e KollegIn würde es genau anders herum darstellen. Und wieder so eine vereinnahmende Wahrheit: für uns alle ist doch das Sich-Verstellen, das eine-Rolle-Spielen jeden Tag sozial überlebensnotwendig. Da ist es doch mehr als naheliegend, dass ein fantasievoll gestaltetes Bühnen alter ego befreit!
Mehr Beispiele möchte ich hier nicht bringen, da mein Credo ja ist: Filme selbst entdecken! Lars Eidinger bleibt streitbar, bleibt schwierig, bleibt extrem. Aber nachdem ich ihn in dieser Doku anders entdecken durfte, sage ich heute: das ist genau richtig so.
Doku über einen deutschen Ausnahmekünstler mit internationalem Status, die dem Künstler ungewöhnlich nah kommt und ein Schlaglicht auf unser Denken über ihn wirft. Für mich persönlich ein gelungenes Porträt.
cnm

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